Buchcover: Sag den Wölfen, ich bin zuhause; Eisele-Verlag
Eisele-Verlag
Bild: Eisele-Verlag Download (mp3, 1 MB)

Carol Rifka Brunt - Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

Bewertung:

New York, 1987: Nur Onkel Finn, der Maler,  hat June Elbus je verstanden. Finn stirbt jung an einer Krankheit, deren Namen ihre Mutter kaum auszusprechen wagt. AIDS. Wer ist Toby  der behauptet, Finn ebenso gut zu kennen wie June selbst? Zunächst ist June misstrauisch, doch dann beginnt sie sich heimlich mit Toby zu treffen, und sie erfährt, dass es gegen Trauer ein Heilmittel gibt: Freundschaft und Zusammenhalt.

Ein richtig schöner Schmöker, allerdings: Es ist eine auch traurige Geschichte, geht sehr zu Herzen, Taschentuchalarm. Wir sind in New York, im Jahr 1987, die vierzehnjährige June erzählt und der erste Satz ist schonmal richtungweisend: "Meine Schwester Greta und ich saßen an diesem Nachmittag Modell für ein Gemälde, das mein Onkel Finn von uns anfertigte, weil er wusste, das er bald sterben würde."

Finn ist so etwas wie der wichtigste Mensch in Junes Leben, er nimmt sie ernst, er versteht sie, sie ist eher eine Einzelgängerin und Finn ist ihr Freund.

Darüber spricht man nicht

Finn wird sterben, das steht fest, und seine Schwester, die Mutter von June und Greta, die wagt nichteinmal, die Krankheit beim Namen zu nennen.  Wir sind im Jahr 1987: Es ist AIDS, und der gesellschaftliche Umgang mit dieser Krankheit war damals mehr als heikel, alles wurde nach Möglichkeit verheimlicht. Finn hatte auch seinen Lebensgefährten vor der Familie versteckt, seine Homosexualität war kein Thema.

Zögerliches Näherkommen
Sie wird jetzt aber Thema, weil sich Toby, der Lebensgefährte von Finn, nach der Beerdigung bei June meldet. Er ist auf der Suche nach einem Menschen, der Finn genau so geliebt hat wie er selbst - und June ist so ein Mensch, das weiß er.
Aber bis June sich für Toby interessieren kann, bis die beiden eine schöne und tragfähige Freundschaft schließen können, bis auch Junes Mutter ihren Frieden machen kann mit Toby - das dauert. Eine schöne, traurige, herzwärmende Geschichte!

Beitrag von Monika Burghard