Buchcover Qualityland; Abb: Ullstein-Verlag
Ullstein-Verlag
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Marc-Uwe Kling - Qualityland

Bewertung:

Marc-Uwe Kling hat uns vor längerer Zeit bekannt gemacht mit seinem Mitbewohner, einem gesellschaftskritischen Känguruh, das war sehr schräg, unerhört lustig, gab es im Radio, gibt es als Buch und als Hörbuch. Jetzt hat der Herr Kling also seinen ersten Roman geschrieben.

Es geht um eine düstere Zukunftsvision, so was nennt man neuerdings Dystopie, ob man's lustig findet, kommt drauf an, wieviel Humor man hat. Es gibt dieses Buch als schwarze Ausgabe und als helle Ausgabe - ganz düster oder mitteldüster, ich habe mich für ganz düster entschieden - und entsprechend schwarz ist der Humor.

Leben im QualityLand
Fängt schon mit unserer Hauptperson an, wir erleben den Alltag von Peter Arbeitsloser. Alle Einwohner von QualityLand haben nämlich nach der großen Superkrise, als QualityLand gegründet wurde, neue Namen bekommen, alle heißen jetzt nach dem Beruf des Vaters oder der Mutter. Es gibt auch nur noch einige wenige große Städte, zu Beispiel die alte Handelsmetropole PROFIT (klingt ein bißchen nach Frankfurt) oder die "Hauptstadt der freien Welt" : QualityCity. Das wären dann wohl wir.

Im Grunde fast realistisch
Unser Peter Arbeitsloser hat einen persönlichen Assistenten, der heißt NIEMAND, damit ist schon mal für Unterhaltung gesorgt, denn das klingt so: "Niemand hilft ihm. Niemand hört ihm zu." Verheerend traurig, aber in Wirklichkeit macht NIEMAND eigentlich alles  - NIEMAND kann ruckzuck alle Vorlieben von Peter Arbeitsloser ausrechnen und gleich das richtige Restaurant vorbestellen, dort ist dann auch gleich schon das richtige Essen geordert. NIEMAND bestellt auch das selbstfahrende Auto, das steht dann vor der Tür, weiß die Adresse, weiß die Lieblingsmusik, meckert darüber, weil es, wenn es alleine unterwegs ist, lieber Industrierock hört.

Schrecklich schöne Warenwelt
Das klingt ganz lustig, aber auch gruselig, mir kam es so vor, als wäre es nur ein ganz kleiner Schritt noch bis dahin, bis zum Beispiel TheShop schon die Lieferdrohne losgeschickt hat mit einem Paket, von dem du den Inhalt gar nicht kennst. TheShop weiß nämlich, was du willst - und du weißt es nicht.

An solchen skurillen Einfällen ist kein Mangel. Mir hat auch gefallen, wie Peter Arbeitsloser was zurückgeben wollte aus so einem Paket, da trifft er auf einen Saal mit 128 Schaltern, hinter jedem Schalter die gleiche "sehr gut, sehr nett und sehr freundlich aussehende Androidin" - 128 Mal.

Erinnert mich ein bißchen an die Anrufe beim Telefonanbieter. Also, Marc Uwe Kling hat diese schrecklich schöne neue Welt, in der keiner mehr denken soll und das Privatleben keins mehr ist, komplett durchstrukturiert, alles ultra-aktuell - kein schöner Traum, aber gut zu lesen.

Beitrag von Monika Burghard