Chicago (Quelle: imago stock&people/United Archives)
Download (mp3, 2 MB)

- Chicago – Does Anybody Really Know What Time It Is

Wie die Band Chicago Transit Authority - aus Angst der Verkehrsbetrieb gleichen Namens könne sie wegen Namensnutzung verklagen - sich in Chicago umbenennen, ohne zu wissen, dass die bereits mit ihrer Musik Werbung für sich machen.

Bandmitglieder gesucht
"Es geht doch mit Bläsern", triumphiert Walter Parazaider und spielt seinen Kommilitonen "Got To Get You Into My Life" von den Beatles vor. Wie seine 5 Freunde studiert der Saxophonist und Klarinettist Musik an der "De Paul Universität" in Chicago.

Im Februar 1967 wollen die Studies eine Band gründen, nur sind zwei der Instrumente, die sie spielen, ziemlich ungewöhnlich für eine Rockband. Ok, Terry spielt Gitarre, Danny Schlagzeug, Robert Lamm Keyboard, aber Jimmy Pankow studiert Posaune, Lee Trompete. Damit sind drei Bläser in der Gruppe. Außerdem haben alle tiefe Stimmen, es fehlt ein Tenor.

Der findet sich in dem Studenten Peter Cetera, als sie sich im "Barnaby's", einer Studentenkneipe um die Ecke, warm spielen. Ein Freund, ebenfalls Absolvent der Uni, übernimmt das Management und schleift die Jungs nach L.A., wo James William Guercio die Plattenfirmen abklappert, bei Columbia hängen bleibt.

Eine Hand wäscht die andere
Großspurig promotet er seine Band, die sich nun Chicago Transit Authority nennt. Aber Columbia hat gerade die Jazz-Rock-Kapelle Blood, Sweat & Tears unter Vertrag genommen und ist mit der 10-köpfigen Combo völlig ausgelastet. Dumm gelaufen.

Aber der Boss, Clive Davis, ist beeindruckt von dem kleinen Großmaul aus Chicago und ködert den Produzenten mit einem Deal. Er solle diesen wilden Haufen bei Blood, Sweat & Tears bändigen, ein Hitalbum abliefern, dann bekommen auch seine eigenen Jungs einen Vertrag.

Nichts leichter als das... Das Nr.-1-Album kassiert 4 x Platin, einen Grammy. Der Newcomer-Produzent Guercio bekommt endlich den Deal für seine Band.

Wer verklagt jetzt wen?

Man bucht ein Showcase im "Whisky A Go-Go", um die Band den Medien vorzustellen. Nach der Show tippt Walter Parazaider jemand auf die Schulter. "Eure Bläser sind der Hammer, und der Gitarrist spielt besser als ich", lobt Superstar Jimi Hendrix, der sie anschließend mit auf Tournee nimmt.

Der Erfolg des Debüt Albums ruft viele Neider auf den Plan. Ein Klugscheißer findet heraus, dass es in Chicago einen Verkehrsbetrieb namens "Chicago Transit Authority" gibt, der die Band angeblich verklagen will. Um dem zuvor zu kommen, kürzt der Manager den Namen. Mal sehen, ob die Stadt Chicago etwas dagegen hat.

Allerdings hat man bei den Verkehrsbetrieben ganz andere Pläne. Sie benutzen "Does Anybody Really Know What Time It Is?" für eine Werbekampagne ihrer Buslinie, ohne je gefragt zu haben oder Lizenzgebühren zu zahlen. Nun sind es die Jungs von Chicago, die vor Gericht ziehen, mit Erfolg.

Beitrag von Bettina Exner / Jürgen Jürgens

Das könnte Sie auch interessieren