Montserrat Caballé/Freddie Mercury - Barcelona
Für olympische Spiele ist neben den Siegern und Verlierern immer auch die Musik ein wichtiger, emotionaler Faktor. Wer könnte eine bombastische Hymne besser schreiben als der Queen-Star Freddie Mercury. Aber eigentlich war es für eine Operndiva komponiert.
Ungleiches Duo
Für Freddie Mercury ist sie die schönste Frau der Welt. Der homosexuelle Paradiesvogel der Musikszene verehrt die füllige Operdiva Montserrat Caballé. Er bewundert nicht nur ihre grandiose Sopran-Stimme, auch ihr selbstironischer Humor amüsiert Freddie. Der Meister des exaltierten Auftritts würde zu gerne mal eine Platte mit Montserrat aufnehmen und nimmt Kontakt zu ihr auf.
Gleichzeitig fragt das Olympische Komitee bei Mercury an, ob er nicht das Eröffnungslied der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona komponieren wolle. Und ob er will, denn Barcelona ist auch die Heimatstadt seiner verehrten Operndiva. Zusammen mit ihr will er das Lied singen. 1987 treffen sich die beiden auf Ibiza, um den Song im „Ku-Club“ zum ersten Mal gemeinsam zu intonieren.
Hymne für Olympia
Im Oktober erscheint „Barcelona“. Schwer irritiert über Freddies Duett mit einer Opernsängerin, kaufen schließlich sogar hartgesottene Queen-Fans die Hymne, der ein ganzes Album folgt. Montserrat schreibt sogar einen Text selbst:
Mittlerweile sind Montserrat und Freddie enge Freunde, als sie am 8. Oktober 1988 auf einem Konzert in Barcelona live singen wollen. Freddie hat bereits gesundheitliche Probleme. Kurz vor dem Auftritt versagt seine Stimme, deshalb müssen sie den Song zu Voll-Playback performen. Die Fans sind besorgt und die Presse spekuliert über eine schwere Erkrankung des Queen-Stars.
Die Olympischen Spiele in Barcelona rücken näher, das NOK ist höchst zufrieden mit ihrer Erkennungsmelodie. Die Hymne hat alles, was es braucht für die Spiele, sie ist emotional, stolz und lässt Siegeswillen erkennen. Zu der Zeit kämpft Freddie bereits um sein Leben.
Schon während er das Lied schrieb, wusste er um seine HIV- Infektion, nun ist die Krankheit ausgebrochen und Freddie ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Am 24. November 1991, 8 Monate vor den Spielen, verliert Freddie Mercury den Kampf gegen Aids. In Windeseile organisiert das Olympische Komitee würdigen Ersatz:
Aber der emotionale Höhepunkt der Eröffnungsfeier am 25. Juli 1992 ist der Auftritt von Montserrat Caballé, die live, mit Tränen in den Augen, ein virtuelles Duett mit ihrem verstorbenen Freund singt, während Freddies Stimme vom Band ertönt und ein Video von ihm auf der Anzeigetafel eingespielt wird.
Autorin: Bettina Exner