Schoeler-Schlösschen Wilmersdorf; Foto: Wikipedia/Fridolin freudenfett (Peter Kuley)
Kann Kultur das Schoeler-Schlösschen Wilmersdorf wiederbeleben? Foto: Wikipedia/Fridolin freudenfett (Peter Kuley) | Bild: Foto: Wikipedia/Fridolin freudenfett (Peter Kuley)

- Schoeler-Schlösschen Wilhelmsaue

Im ältesten erhaltenen Haus von Wilmersdorf soll Kultur einziehen. Dies wollen der Bezirk und eine Bürgerinitiative, einig sind sie sich allerdings nicht. Immerhin will der Bezirk im Herbst den kleinen Park eröffnen.

Das älteste erhaltene Haus im Ortsteil Wilmersdorf, erbaut 1765, zählt zu den wenigen in Berlin erhaltenden bürgerlichen Barock-Landhäusern des 18. Jahrhunderts.
Berliner Bankiers, Unternehmer und Intellektuelle hatten hier ihren Sitz. Zum Haus gehört auch ein Park. Der letzte private Besitzer Heinrich Schoeler (1844-1918), Professor der Augenheilkunde, gab dem Anwesen seinen Namen.

Seit 1929 gehört das Haus der öffentlichen Hand und wurde 1958 unter Denkmalschutz gestellt.

Die neue Geschichte
Die Stiftung Denkmalschutz bekam 2006 einen Nießbrauchrechtsvertrag, der 2012 wieder aufgehoben wurde, da das Geld fehlte für Restaurierung und Rückbau in den barocken Urzustand. Immerhin konnte 2010 der Dachstuhl rekonstruiert werden.

Der Plan, in dem Gebäude eine Bibliothek aus dem Nachlass des Bundespräsidenten Johannes Rau einzurichten, scheiterte. Bis 2011 gab es ein „Baustellen-Café“, kleinere Kulturveranstaltungen fanden statt.

Seit fünf Jahren steht das Schoeler-Schlösschen wieder leer, mehrere Förderanträge des Bezirks bei der Lottostiftung für die Innenraumsanierung scheiterten, aus finanziellen und konzeptionellen Gründen.

Zukunft als Kulturzentrum?
2015 gründete sich die Bürgerinitiative, die das Haus zu einem selbstverwalteten soziokulturellen Zentrum machen will, für das Projekt wurden 1200 Unterschriften gesammelt.

Das Konzept der BI ist fertig und klingt auch finanziell gut durchdacht: Gründung einer gemeinnützigen GmbH, im Schlösschen unten ein Café zur Gegenfinanzierung, aber ohne Verzehrzwang, Vermietbare Gruppenräume, ein Geschichtsraum über Wilmersdorf, Büros der Geschäftsfürung, im Keller Proberäume für Bands.

Wenn zwei das Gleiche wollen, ist es nicht Dasselbe
Der Bezirk will auch eine Art soziokultuelles Zentrum, aber „amtlicher“ und vor allem nicht selbstverwaltet, sondern unter Bezirkskontrolle (Stadträtin für Kultur z.Zt. Dagmar König, CDU). Denkbar sei auch, gelegentlich Bürgerdienste auszulagern (z.B. Trauungen für Behinderte, da das Rathaus Charlottenburg nicht barrierefrei ist.

Das Bezirkskonzept wird aktuell in einem Schaukasten am Schlösschen präsentiert. Darin soll auch die BI einen Platz bekommen. Aus dem Rathaus heißt es, die BI könne dort nicht „bauen, wie sie will“, würde dem Denkmalschutz nicht genug gerecht, außerdem habe der Bezirk historische Verantwortung für das Haus.

Die Stimmung zwischen BI und Bezirk ist angespannt, u.a. wirft der Bezirk der BI vor, die früheren Förderanträge durch Briefe an die Lottostiftung torpediert zu haben.

Was als nächstes passiert
Der Bezirk will den Garten schon in diesem Herbst instandsetzen und wieder als Park öffnen. Außerdem werden jetzt neue Fördermöglichkeiten (Programme des Bundes) geprüft.

Der Bezirk will einen Workshop zur Bürgerbeteiligung, die Bürgerinitiative wartet jetzt vor allem auf die Wahl. Sie glaubt, unter einer CDU Bezirks-Regierung wäre es schwierig, ein selbstverwaltetes Zentrum durchzusetzen; mit SPD und Grünen dagegen schon.


Stand: 24. Mai 2017