Pistolen-Franz und Muskel-Adolf Bild: Promo
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Regina Stürickow - Pistolen-Franz und Muskel-Adolf - Ringvereine und organisiertes Verbrechen in Berlin 1920 - 1960

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"Pistolenfranz und Muskeladolf" - das waren zwei stadtbekannte Bösewichter im Berlin der 1920er Jahre, das passt so ein bißchen noch zu "Babylon Berlin" - und wir lernen nochmal die dunkle und halbseidene Seite vom historischen Berlin kennen.

Das hat ja viel mit Mythos und Legende zu tun, all diese Geschichten von den Verbrecherclubs, den Ringvereinen - hängt sicher auch damit zusammen, dass diese Vereine damals auf eine gewisse Weise respektiert wurden, viele hochrangige Polizisten luden Besuch von auswärts ein in die einschlägigen Kaschemmen der Ringvereine, man kannte einander und trank miteinander. Und ich muss zugeben, unter organisiertem Verbrechen stell ich mir auch was anderes vor als einen Verein, der eine richtige Satzung hat mit Paragraphen, Mitgliedsbeitrag 1 Mark pro Woche, Erscheinen zu den Sitzungen ist Pflicht, sonst droht Ausschluss, am besten gefällt mir Paragraph 8 der Statuten des Sport-Clubs Immertreu 1921": "Wer wegen Vergehen gegen das Eigentum des Vereins ausgestoßen wird, kann nie wieder Mitglied des Vereins werden." Dazu muss man wissen, dass Ringbrüder sich im Wesentlichen mit Raub und Einbruch befassten - das hat doch was.

Angefangen hatte das alles 1890 mit dem "Reichsverein ehemaliger Strafgefangener", die wollten sich gegenseitig unterstützen - und davon ist ja auch viel geblieben - wenn einer der Ringbrüder geschnappt wurde und in's Gefängis kam, dann kümmerte sich der Verein um Frau und Kinder, die wurden versorgt. In Berlin herrschte eine ungeheure Armut - kein Wunder, wenn die Ringvereine Zulauf hatten.

Trotzdem kam es vor, dass ich jemand am Vereinseigentum vergriff, hier wird die Story von Goldzahn-Bruno erzählt, der Ringverein Friedrichstadt macht sich mit 30 Mann auf den Weg in die Sommerferien, sie wollen nach Tirol, Geld ist genügend vorhanden, seit 14 Jahren ist Goldzahn-Bruno der Kassenwart, und jetzt ist er durchgebrannt mit dem Vereinsvermögen, immerhin 13.000 Reichsmark, der Urlaub fällt erstmal ins Wasser.  Und die Geschichte, wie die Vereinsbürger jetzt eine Soko bilden und in der Szene ermitteln, wie sie Bruno finden, fangen und vermöbeln - das ist schon eine ziemlich schräge Story.

Nachdem die Nazis viele sogenannte "Asoziale" und "Gewohnheitsverbrecher" in den KZs interniert hatten, gab es dann im Wirtschaftswunderdeutschland ein kurzes Wiederaufleben - Brillanten-Willi, Millionen-Müller und Gurken-Paule versuchten es zum Beispiel mit Schutzgelderpressung - das waren dann schon eher grobe Angriffe auf Kneipen und Restaurants - und das dauerte dann nicht mehr lange - jedenfalls nicht auf diese eher schlichte Ringvereins-Tour. Spannende Geschichten, ein bißchen schräg, gegegentlich politisch, schön historisch - mit vielen Fotos, sehr gelungenes Buch, wie ich finde.

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