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Min Jin Lee - Ein einfaches Leben

Bewertung:

Ein Buch, das ich sehr gern gelesen und von dem ich mich schwer verabschiedet hab. Es geht um eine Familiengeschichte zwischen Korea und Japan. Die Autorin ist Koreanerin, lebt aber schon sehr lange in den USA und hat jetzt mit "Ein einfaches Leben" einen Bestseller gelandet. Es ist eine Geschichte von sogenannten "einfachen" Leuten, die haben allerdings meistens die größten Probleme und gar kein einfaches Leben.

Als ersten lernen wir Hoonie  kennen, er lebt in Korea, er ist verkrüppelt zur Welt gekommen, sein Vater ist Fischer, die Eltern sind nicht reich, aber sie lieben ihren Sohn und lassen ihn was lernen, so dass er trotz aller üblen Sprüche, die er sich anhören muss, doch noch eine Frau findet, die Ehevermittlerin kommt -  wir sind erst auf Seite 17 und schon längst mittendrin in einer ganz anderen Welt, schon jetzt  sind viele Schicksale angedeutet oder erzählt, ein Familienstammbaum entsteht vor unseren Augen - wir haben uns jetzt schon total festgelesen. Dabei ist Hoodie ja gar nicht unsere Hauptperson, die ist noch nichtmal geboren bis jetzt, also Hoonie heiratet, die 15-jährige Yangjin, laut Ehevermittlerin "sanft und zart wie ein neugeborenes Kalb" - das vierte Kind dieser beiden, die sich bis zur Hochzeit nicht kannten, aber fest zusammenhalten,  ist Sunja - heil und gesund - und ihr Schicksal beschäftigt uns ab sofort. Und zwar wirklich. Wie schon angedeutet, der Roman hat eine besondere Sogwirkung, man kommt nicht weg, obwohl man ahnt: Das geht hier alles nicht so gut aus.

Die Sprache ist ganz schlicht, es  gibt trotz aller Schicksalsschläge und menschlichen Hoffnungen und Gemeinheiten überhaupt keine sprachliche Aufregung, still und ruhig sind die Sätze wie ein See, wenn kein Wind geht - obwohl Sunja auf der Katastrophenrutschbahn des Lebens richtig die Mitte erwischt. Sie ist hübsch, lieb und naiv, sie wird ungewollt schwanger, der Mann ist verheiratet, und sie verlässt Korea, sie geht nach Japan. Und dort ist das Leben schwer und bitter für Immigranten, Anfang des 20. Jahrhunderts - uns bleibt nichts als Bewunderung - für Sunja, die unglaublich starke Hauptfigur, und für Min Jin Lee, die fabelhaft starke Autorin des Romans.