Cover Minette Walters: Die letzte Stunde; Abb: Heyne-Verlag
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Minette Walters - Die letzte Stunde

Bewertung:

Minette Walters ist die britische "Queen of Crime", die Königin des Krimis, und sie hat lange Zeit fast jedes Jahr einen Bestseller rausgehauen - bis sie nicht mehr konnte, dann hat sie eine Pause gemacht, und in der Pause hatte sie die Idee: "Die letzte Stunde" ist ein historischer Roman.

Wir sind in einer englischen Grafschaft, exakt am 3. Juli 1348, und die Geschichte beginnt so: "Die Sommerhitze sog alles Leben aus Develish. An den Bäumen welkten die Blätter, ... die Hühner hockten dösend im Staub..." - aber sonst war eigentlich alles soweit in Ordnung. Jedenfalls in der bösen und unbarmherzigen Ordnung einer Gesellschaft, die aus Lehnsherren und Leibeigenen besteht. In dieser Ordnung lebt man auf dem Gut von Lady Anne und Sir Richard, ausser Sir Richard hat niemand was zu melden hier, der Sir ist nicht sonderlich intelligent und regiert mit der Peitsche, seine Bauern sind  so arm wir ihre dösenden Hühner - und der einzige Mensch mit Verstand ist - vorläufig jedenfalls - Lady Anne, die Herrin des Hauses.

Also richtig tiefes Mittelalter, in jeder Hinsicht. Und in diese für uns doch seltsame Atmosphäre kommt man beim Lesen ganz schnell rein, ist auch nötig, denn die Geschichte nimmt schnell Fahrt auf und hat viele Verästelungen, ich fasse das mal zusammen: Sir Peter macht Besuch auf einem Nachbargut, er will seine 14-jährige Tochter dorthin verheiraten. Daraus wird aber nichts, der Bräutigam in spe wird krank, niemand kennt diese Krankheit, aber sie führt innerhalb von drei Tagen zum Tod - und ist rasend ansteckend. Die Pest ist da, der schwarze Tod - und außer Lady Anne hat niemand eine Ahnung, wie man sich davor schützen kann.

Sie wurde im Kloster erzogen, die Nonnen wussten schon was von Schmutz und Ansteckung, von der heilsamen Wirkung der Sauberkeit - Lady Anne jedenfalls schottet ihr Gut samt den leibeigenen Bauern komplett vor der Außenwelt ab, der Gatte darf auch nicht mehr rein, gut so, er hat die Pest auch schon am Hals - und Lady Anne kriegt Unterstützung von einem klugen Knecht, der mit ein paar Jungen aus dem Dorf loswandert, um in verpesteteten und verlassenen Gegenden Vorräte zu suchen zum Überleben - und das, wo niemand von ihnen die leisteste Ahnung hat, wohin die  eine Straße in der Gegend wohl führen mag.

Abenteuer und Aufregung - ich hab's gern gelesen, es ist eine andere Welt, düster natürlich, wegen der Pest, aber auch spannend wie bei Robin Hood - perfekte Sommerlektüre.