Buchcover und Portrait: Manja Präkels: Als ich mit Hitler Schnapskirchen aß; Foto: Nana Diehl
Nana Diehl
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Manja Präkels - Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

Bewertung:

Mimi und Oliver spielen Fußball, berauschen sich auf Familienfesten heimlich mit den Schnapskirschen der Eltern. Mit dem Mauerfall zerbricht auch ihre Freundschaft. Oliver wird zu einem der Anführer marodierender Jugendbanden. Manja Präkels erzählt in ihrem Debütroman vom Verschwinden der DDR in einem brandenburgischen Kleinstadtidyll, dem Auftauchen verloren geglaubter Gespenster, von Freundschaft und Wut.

Ein Roman mit starken Bezügen zur Wirklichkeit - und Hitler ist nicht der sogenannte "Führer" von damals, hier ist "Hitler" der Kampfname eines jungen Mannes, der in einer Kleinstadt in Nordbrandenburg eine Bande von Jungnazis anführt, kurz nach der Wende.

Eigene Erfahrungen verwoben mit Fiktion
Geschrieben hat das Buch Manja Präkels, eine junge Autorin, Jahrgang 1974, geboren in Zehdenick, nördliches Brandenburg. Sie war also zur Wende 15 und sagt selbst, dass viele ihrer eigenen Erfahrungen in das Buch eingeflossen sind,  das Leben in einer Kleinstadt Brandenburgs nach der Wende, der Untergang der DDR, der alten Strukturen, das Aufkommen von Nazibanden, die damals, so lesen wir das, ziemlich ungestört durch die Provinz tobten und sich die Städte untertan machten. Und Manja Präkels stand auf der Gegenseite - keine gemütliche Position.

Oberflächlich idyllisch
Zunächst mal wird das erzählt wie eine ganz normale "Coming of Age"-Geschichte: Mimi, die Hauptperson und ihr Freund Oliver, der dann später zum "Hitler" wird, leben in der kleinen Stadt. Sie gehen Angeln, spielen Fußball, sind gute Kumpels. Mimi steht Schmiere, wenn Oliver im Keller raucht und die Schnapskirschen essen sie gemeinsam bei den jeweiligen Familienfeiern. Also eigentlich und erstmal alles ganz normal.

Und nur sehr oberflächlich ist das eine Idylle. Manja Präkels erzählt still, deutlich und klar vom tristen Alltag in der kleinen Stadt, die von den Ziegeleien der Umgebung lebt und die zweigeteilt ist: Es gibt die Stadt der Proletarier und die der Angestellten in den Neubauwohnungen - in der klassenlosen DDR.

Viele Geschichten werden hier erzählt, manche in nur einem Satz: "Vorn an der Ecke zur Hauptstraße gab es eine Konsum-Verkaufsstelle, jeden Morgen frische Brötchen und manchmal Wundertüten."  Ein kleines, enges Alltagsleben ist das, und dann kommt die Wende: mit der Konsumwelle und  dem schnell zerstörten Denkmal für die siegreiche Sowjetarmee.

Wie Manja Präkels das erzählt wird das alles auch quasi nach-erlebbar für Leute, die weder die DDR noch ihren Untergang noch die Zeit danach erlebt haben, diese wilde Zeit, sei es aus geographischen aus Altersgründen.

Ganz starkes Buch, kann ich sehr empfehlen.

Beitrag von Monika Burghard