Udo Lindenberg (Quelle: imago/BRIGANI-ART)
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- Udo Lindenberg – Sonderzug nach Pankow

Wie Udo Lindeberg zum ersten Mal in Ostberlin auftreten darf.

Erich und Udo kommen nicht zusammen
1973 sitzt Udo Lindenberg in einer Kneipe und brütet über einem 10-Punkte-Plan, um die Karriere in Schwung zu bringen. Punkt 8: um die DDR kümmern. Er hat keine Ahnung, dass bei der Stasi längst eine Akte Udo Lindenberg existiert.

1972 hatte er sich in Ost-Berlin in ein Mädchen aus Pankow verliebt. Er will einen Schleuser einschalten, um sie in den Westen zu holen. Sie beichtet den Flirt ihrem Ehemann, einem NVA Offizier und statt der Liebsten taucht die Stasi beim verabredeten Rendezvous auf dem Alex auf.

"Mittelmäßiger Schlagersänger mit anarchistischen Grundpositionen" steht in seiner Akte. Seine Platten sind "Bückware" und auftreten darf er nun erst recht nicht. Ein paar Jahre später legt Udo musikalisch nach, aber mit dem "Sonderzug nach Pankow" kann sich Erich Honecker nicht anfreunden.

Ein Konzert für FDJ-Mumien und Steif(f)tiere

1983 ist ein gefährliches Jahr im Kalten Krieg. Das atomare Kräftemessen der Amerikaner mit der Sowjetunion droht zu eskalieren. Die Angst vor einem Atomkrieg eint die Menschen in Ost und West und die FDJ organisiert ein Friedensfestival im Palast der Republik.

Der Star ist Harry Belafonte aber Konzertveranstalter Fritz Rau stellt die Bedingung, dass auch ein Sänger aus dem Westen auftreten muss. Da schlägt Lindenbergs große Stunde. Die Verhandlungen sind zäh, aber am Ende springt eine DDR-Tournee für das nächste Jahr heraus, nachdem Udo zugestimmt hat, nur relativ unpolitische Songs zu Gehör zu bringen.

Sein Auftritt am 25. Oktober 1983 dauert nur 15 Minuten. Während vor der Tür enttäuschte Fans "Udo, Udo" skandieren, sitzen im Saal nur "FDJ-Mumien und Steif(f)tiere", wie Lindenberg feststellt.

Für einen kurzen Moment kann das "Sicherheitsrisiko Lindenberg" seinen Aufpassern entkommen und draußen ein Bad in der jubelnden Menge nehmen. Stolz schwenkt er seinen Tourneevertrag: "Leute, es geht los". Aber es geht noch lange nicht los, denn nach kritischen Worten gegen das Wettrüsten sagt Erich Honecker die geplante Tournee durch die DDR wieder ab.

Beitrag von Bettina Exner / Heiner Knapp

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