The Righteous Brothers (Quelle: imago-stock)
Bild: imago-stock

- The Righteous Brothers - Unchained Melody

Wie eine alte Kamelle aus den 1950ern ständig die Charts anführt.

Ein Song für den Knast
Bill Medley und Bobby Hatfield kennen sich flüchtig von der Uni. Beide sind leidenschaftliche Sänger und treten abends in verschiedenen Clubs auf, getrennt voneinander. Was sie nicht wissen: Beide haben eine Nummer im Repertoire, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

1955 brauchte man einen Song für das Knast-Drama „Unchained“, den Alex North lieferte. Als der Film über ein Gefängnis ohne Gitter in die Kinos kommt, landet die Orchesteraufnahme auf Platz 1, die Single mit Gesang auf Platz 3.

Mit Coverversion in die Top 40
Roy Hamilton macht sich als nächster über die „entfesselte Melodie“ her, prompt landet auch er auf der Eins. Danach singt zur Abwechslung eine Dame und kommt immerhin bis auf Rang 29, gefolgt vom britischen Radio DJ Jimmy Young, der in seiner Heimat punktet. Alle vier Versionen waren am 14. Mai 1955 gleichzeitig in den Top 40 platziert.

Wir wollen "Unchained Melody!"
Bobby Hatfield mag besonders Roy Hamiltons Aufnahme, als er mit seinem Kommilitonen Bill Medley zu der Band Paramours stößt. Am Ende eines Konzertes brüllt ein US Marine laut „that was righteous, brothers“. Es war das Wahre, finden auch die beiden Sänger und machen sich als Righteous Brothers selbstständig.

Phil Spector, der Meister der „wall of sound“, nimmt die beiden unter die Fittiche. Er kauft Carol King einen Song ab, verpasst den Jungs einen fulminanten Sound für ihre nächste Hitsingle. Aber die Jungs hören nicht auf zu quengeln, dass sie viel lieber „Unchained Melody“ aufnehmen möchten.

Der Plattenboss erlaubt es ihnen, produzieren will er die Nummer nicht. Sie landet schließlich auf der B-Seite. Bill Medley bearbeitet den Song selbst, von dem Spector inständig hofft, dass kein Hahn danach krähen wird.

Doch die Radio DJs drehen die Single einfach um und spielen die B-Seite. Da hilft es auch nicht, dass Phil Spector persönlich wütend bei den Sendern anruft. Die B-Seite landet ganz oben in den Hitparaden.

Dauerbrenner
25 Jahre später buddelt man den Song wieder aus für den Film „Nachricht von Sam“ mit Demi Moore und Patrick Swayze. Und wieder geht die Righteous-Brothers-Version in die Charts.

Da aber die beiden keinen Cent mehr daran verdienen - die Rechte sind längst ausgelaufen - nehmen sie das Lied noch einmal auf und auch die 1990er Single chartet! Andere Musiker schreiben an dieser Popgeschichte mit Sicherheit noch weiter.

Beitrag von Bettina Exner / Jürgen Jürgens