The Proclaimers (Quelle: imago/ZUMA Globe)
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- The Proclaimers - I'm Gonna Be (500 Miles)

Wie sich für ein Zwillingsbrüderpaar aus Schottland plötzlich das Erfolgsrad dreht.

Die Wartezeit wird musikalisch totgeschlagen
Die eineiigen Zwillinge Charlie und Craig Reid aus Edinburgh in Schottland sind unzertrennlich. Schon in der Schule treten die musikalischen Jungs als Proclaimers, als Verkünder, auf Festen auf.

1986 sind sie so gut geworden, dass die Housemartins sie mit auf Tournee nehmen. Danach wird das Fernsehen auf sie aufmerksam und ihr erstes Album geht in die Charts.

1988 warten sie in ihrer Wohnung in Edinburgh auf den Fahrer, der sie zu einem Gig nach Aberdeen bringen wird. Aber der verspätet sich und Craig schlägt die Zeit an seinem elektrischen Piano tot, indem er ein paar flüchtige Melodien klimpert. Eine davon bleibt hängen; sie klingt fast wie ein Marsch, und Craig singt...

Charlie war fast schon eingenickt, aber plötzlich ist er hellwach. Gemeinsam schreiben sie ein Liebeslied über einen Typen, der für seine Angebetete auch zweimal 500 Meilen laufen würden.

Verspäteter Erfolg
Als sie abends in Aberdeen auf der Bühne stehen, probieren sie ihr Lied gleich mal aus. Die Reaktion des Publikums ist so überwältigend, dass ihnen die Plattenfirma selbst den schottischen Akzent durchgehen lässt.

Irgendwann sitzen die Zwillinge in London im Restaurant und feiern ihren 11. Platz in den Charts, als eine wildfremde Touristen auf sie zustürmt und ihnen berichtet, dass "Im gonna be" in ihrer Heimat, in Island, die Nummer 1 ist. Danach folgen Australien und Neuseeland, nur die Amerikaner ziehen nicht mit. Viele DJ's wittern in dem schottischen Wort "havering" etwas Unanständiges, dabei bedeutet es einfach nur, auf Jemanden einzureden.

Erst mit 5-jähriger Verspätung landet "I’m Gonna Be (500 Miles)" auf Platz 3 in Amerika, nachdem der Titel für den Film "Benny & Joon" mit Johnny Depp zur Titelmusik gekürt wird. Das Lied kommt bis heute bei großen Sport-Events zum Einsatz, wie 2015 beim Super Bowl in Amerika, als ein kleiner verirrter Hund das Publikum in einem "Budweiser-Spot" zu Tränen rührt.

Bis heute können die Zwillinge ganz gut von den Tantiemen leben - und auch mit der Tatsache, dass ihr Song viel berühmter ist als sie selbst.

Beitrag von Bettina Exner / Heiner Knapp

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