Leonard Cohen. Konzertfoto (Foto: imago stock)
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- Leonard Cohen - Suzanne

Wie Leonard Cohen seine innigste Freundin Suzanne an die Popmusik verliert.

Cohen begehrt die Frau seines besten Freundes

Leonard Cohen beneidet seinen Freund. Mitte der Sechziger ist Armand Vaillancourt als Bildhauer in Montreals Kunstszene schon sehr angesagt, während Leonard seine Zeit als erfolgloser Poet in den Cafés totschlägt. Aber dafür beneidet ihn Leonard nicht.

Es ist Suzanne, die junge Ehefrau des Bildhauers, die er anbetet. Sie sind ein atemberaubend schönes Paar, und obwohl der charismatische Leonard viel Erfolg beim weiblichen Geschlecht hat, hier traut er sich nicht heran. Seinem besten Freund will er die Frau nicht ausspannen, wenn er sich auch noch so sehr nach ihr sehnt.

Als die Ehe schließlich zerbricht, zieht Suzanne mit ihrer kleinen Tochter in ein Loft am Montrealer Hafen. Viel Geld hat Suzanne nicht, sie wohnt in der Lagerhalle eines ehemaligen Kaufhauses. Sie kann sich nur Klamotten von der Heilsarmee leisten, aber trotzdem sieht sie darin umwerfend aus. So geschickt verändert sie die Teile.

Nur Freundschaft – keinen Sex

Leonard Cohen kommt oft zu Besuch. Dann zündet Suzanne die Kerzen an, kocht Jasmintee mit kleinen Orangenstücken, schweigend betrachten sie die vorbeifahrenden Schiffe. Manchmal gehen sie aus, die beiden sind so vertraut, dass ihre Schritte total identisch sind und sie genau wissen, was der andere denkt.

Suzanne genießt das Begehren in Leonards Blicken, mehr will sie gar nicht von ihm. Sie will nicht eine Eroberung von vielen sein. Auch er hält sich zurück, obwohl sie nun frei für ihn wäre. Beide wollen diese kostbare, intime Beziehung nicht durch Sex stören. Und so begehrt er ihren Körper weiter nur in Gedanken.

Song über seine unerfüllte Liebe wird ein Hit

1967 bekommt die Tänzerin ein Engagement in den USA, die beiden verlieren sich aus den Augen. Als sie zurückkommt, hat sie keine Ahnung, dass Leonard mit einem Song über sie berühmt geworden ist.

Überrascht hört sie sich "Suzanne" an, sie ist verstört und verletzt, dass Leonard ihre kostbare Freundschaft damit öffentlich gemacht hat. Aber ein klein wenig stolz ist Suzanne auch auf ihr Lied. Während Leonard ein internationaler Star geworden ist, tingelt Suzanne fast mittellos durch die Welt und tanzt auf kleinen Festivals.

Aus Liebe wird …

In den Siebzigern besucht sie Leonard nach einem Konzert, er begrüßt sie freundlich und bedankt sich artig für die Inspiration zu seinem größten Hit. Ihre Wege kreuzen sich erneut, als Suzanne in den Neunziger zu einem Vortanzen für die nächste Leonard Cohen Tournee geht.

Ein schwerer Unfall liegt da hinter ihr, der Tanzen jahrelang unmöglich machte, Suzanne lebt nun obdachlos in einem Bauwagen am Strand von Vencice Beach. Suzanne tanzt vor, von Leonard kommt keine Reaktion. Sie bekommt den Job nicht, er redet kein Wort mit Suzanne. Vielleicht hat er ihr doch nie verziehen, dass sie sich ihm damals nicht hingegeben hat.

Autorin: Bettina Exner / Jürgen Jürgens