Housemartins (Quelle: imago/BRIGANI-ART)
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- The Housemartins – Happy Hour

Wie ein Song der Housemartins britischen Kneipenwirten auf die Nerven geht, weil er den Nerv der Zeit trifft.

Die Kollegen nerven
Anfang der 80er zieht Hobbymusiker Paul Heaton aus dem Norden Englands nach Surrey im Süden, um einen Job als Buchhalter anzunehmen. Hier scheint die Sonne öfter, die vielen Parklandschaften und die Nähe zum Meer erinnern ihn irgendwie an Südfrankreich.

Er schreibt "French England" in sein Notizbuch, um daraus später etwas zu machen. Während er die Freizeit genießt, geht ihm der Job zunehmend auf die Nerven. Genau genommen sind es die Kollegen aus dem Außendienst, die fast jeden Nachmittag in sein Büro kommen, um ihn abzuholen in den Pub zur sogenannten "Happy Hour", in der alle Getränke nur die Hälfte kosten.

Er ist ein paar Mal mitgegangen, aber die geschniegelten Typen sind ihm peinlich, weil sie ständig frauenfeindliche Witze reißen und die Mädchen mit plumpen Sprüchen vertreiben. Er vertraut seinen Ärger seinem Notizbuch an und schreibt "Happy Hour" darüber.

Ein Song zum auf den Tischen tanzen!
Irgendwann kehrt er in den Norden zurück und lässt sich in Yorkshire nieder, wo er den Gitarristen Stan Cullimore durch eine Anzeige in einem Schaufenster kennenlernt.
Unter dem Namen Housemartins verdienen sie ihr Geld als Straßenmusiker. Der einflussreiche BBC-DJ John Peel findet Gefallen an ihnen und lädt sie im Januar 86 in seine Radioshow ein.

Sie haben nicht genug Material, Paul durchpflügt sein Notizbuch und stößt auf die "Happy Hour"-Geschichte, aus der die Housemartins in nur 10 Minuten einen Song komponieren. Er wird zum Hit während der "Happy Hours" in den Pubs.

Danach bekommt Paul Heaton jede Menge Beschwerdebriefe von Kneipenwirten. Denn immer, wenn ihr Song in der Jukebox läuft, tanzen die Gäste so heftig auf den Tischen, dass diese zu Bruch gehen – und dabei überhören, dass die Housemartins in dem Lied die Belästigung von Frauen anprangern.

Beitrag von Bettina Exner / Heiner Knapp

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