Helen Reddy (Quelle: imago/United Archives)
imago/United Archives
Bild: imago/United Archives Download (mp3, 2 MB)

- Helen Reddy - I Am Woman

Wie eine frauenbewegte Hymne, die monatelang völlig unbeachtet bleibt, schließlich sogar einen Grammy gewinnt

Bullshit
1970 schließt sich die gebürtige Australierin Helen Reddy der Frauenbewegung in Amerika an, nachdem sie feststellt, dass es nicht einen Song über starke und gleichberechtigte Frauen gibt. Sie braucht so ein Lied für ihr neues Album, das erwarten auch ihre feministischen Freundinnen von ihr.

Alles, was man ihr an Songs anbietet, ist im Tenor "Ich bin eine Frau und du bist ein Mann, ich bin schwach und du bist stark." Bullshit. Dann muss sie eben selbst tätig werden. Sie legt ihre ganze Frauenpower in den Gesang für "I Am Woman". Trotzdem klingt die Produktion irgendwie dünn und bleibt weitestgehend unbeachtet.

Bis sie der Produzent der "frauenbewegten" Comedy "Stand Up and Be Counted" hört. Er will das Lied als Titelmelodie haben, aber Helen stellt zwei Bedingungen: Sie will den Text ändern und das Lied neu aufnehmen, und der Produzent muss sich verpflichten, 1000 Dollar an jedes Frauenhaus in LA, New York und Chicago zu spenden.

 

Von Platz 99 zum Grammy
Die Single wird veröffentlicht, steigt aber trotzdem nur auf Platz 99 der Top 100 ein, denn sie läuft kaum im Radio. Die meist männlichen DJ's hassen das Lied und wenn sie es doch einmal spielen, dann nur wegen ihrer Freundinnen, die ihnen in den Ohren liegen. Aber die Radiosender werden zunehmend bombardiert mit Anfragen weiblicher Hörer.

Immer mehr Frauen identifizieren sich mit dem feministischen Text – auch Betty Friedan, die Grand Dame der amerikanischen Frauenbewegung. Sie spielt  "I Am Woman" 1973 am Ende einer Gala. Zögernd stehen die ersten Frauen auf, am Ende fassen sich Tausende an den Händen und tanzen singend durch den Saal.

Helen Reddy bekommt einen Grammy für ihre stolze Hymne. Ihre Dankesrede sorgt allerdings für einen handfesten Skandal in Kirchenkreisen, denn für sie ist Gott eine Frau.

Beitrag von Bettina Exner / Heiner Knapp

Das könnte Sie auch interessieren

Cyndi Lauper (Quelle: imago/Cinema Publishers Collection
imago/Cinema Publishers Collection

Cyndi Lauper – True Colors

Wie Cindy Lauper eine Ballade zum Hit macht, die beinah Kenny Rogers gesungen hätte.