Gilbert O'Sullivan (Quelle: imago/United Archives International)
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- Gilbert O’Sullivan – Alone Again (Naturally)

Ein irischer Sonderling erobert mit einem vermeintlich autobiografischen Song die Charts. Hier ist seine Geschichte!

Das ulkige Foto
Grafikdesigner oder Musiker? Das ist die Frage für den Iren Ray O'Sullivan nach seinem Abschluss an der Uni. Im Kunststudium hat ihm der Kommilitone Rick Davies, der später Supertramp gründet, Klavierspielen beigebracht. Zusammen sind sie in einer Band, für die Ray Songs komponiert.

Er entscheidet sich also für die Musik und setzt alles auf eine Karte. Mit ausgeleierten Knickerbockern und alten Boots vom Trödel versteckt er seine Haare unter einer Ballonmütze und geht zum Fotografen. Das Bild wirkt wie aus der Zeit gefallen, aber es ist ein Hingucker. Mit einem Demo-Tape schickt er es zu dem mächtigen Musikmanager Gordon Mills.

Der baute ein Millionen-Imperium auf, nachdem er aus einem walisischen Staubsaugervertreter den Weltstar Tom Jones machte. Normalerweise gibt Mills eingesandte Demos direkt weiter, wäre da nicht dieses ulkige Foto von Ray, der ausschaut wie der junge Charlie Chaplin.


Alles nur ausgedacht
Mills nimmt ihn unter Vertrag; er gibt dem komischen Vogel den Künstlernamen Gilbert und schickt ihn in dem altmodischen Outfit auf die Bühne. Aber es dauert noch eine Weile, bis Gilbert O'Sullivan mit "Alone Again (Naturally)" einen Song veröffentlicht, der bei jedem Zuhörer Mitgefühl erzeugt, denn alle denken, er beschreibt in dieser traurigen Ballade sein eigenes Leben: den Tod seiner Eltern und dass, weil ihn seine Braut am Hochzeitstag sitzen lässt, er sich vom Turm der Kirche stürzen will.

Auch in Amerika zerfließen die Fans vor Mitleid. Sie hieven "Alone Again" im Sommer 1972 in die Charts. Als dort die ersten Fernsehauftritte anstehen, verordnet der Manager dann doch ein adretteres Outfit.

Er steckt seinen Schützling in einen roten College-Sweater mit einem großen "G" auf der Brust, danach ist "Alone Again" die neue Nummer 1. Erst da lüftet Gilbert O'Sullivan das Geheimnis, dass keine der beschriebenen Tragödien tatsächlich geschehen sind und er sich das alles nur ausgedacht hat.

Beitrag von Bettina Exner / Heiner Knapp

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