The Beatles. Pressefoto (Foto: imago stock)
The Beatles. Pressefoto (Foto: imago stock) | Bild: imago stock

- The Beatles – Maxwell's Silver Hammer

Wie Paul McCartney zum Hammermörder wird

Sinn für das Absurde
Seit Paul McCartney in Paris das Theaterstück „König Ubu“ von Alfred Jarry gesehen hat, ist er ein Fan von dessen Werken. „König Ubu“ sorgte 1896 für einen Theaterskandal, weil das Avantgardestück mit dem Phantasie-Wort „merdre“ beginnt. (Ganz offensichtlich in Anlehnung zum französischen Wort „merde“ für „Scheiße“.)

Der Bürgerschreck Jarry war ebenfalls der Erfinder der Pataphysik, einer Wissenschaft der imaginären Lösungen. Paule liest alles darüber, als die Aufnahmen zum „Abbey Road“-Album anstehen. Diese absurde Wissenschaft will er unbedingt in einen Song bannen. Wohl wissend, dass die anderen die Augen verdrehen werden, hofft er auf Johns Sinn für Humor, der sich auch mal gerne über Walrösser oder gläserne Zwiebeln auslässt.

Augenverdrehen bei den Bandkollegen
Der Beatle erfindet Maxwell Edison, einen Studenten der Paraphysik. Blutrünstig lässt er den Jungen alle mit einem silbernen Hammer ermorden, die ihm im Weg herum stehen. Praktisch, dass Paul dabei selbst ein paar Aggressionen loswerden kann. Insgeheim heißen die Opfer Allen Klein (der neue, raffgierige Manager) oder Yoko Ono. Makaber, denn Yoko ist tatsächlich ziemlich schwer verletzt nach einem Autounfall mit John.

Im Gegensatz zu dem morbiden Text komponiert er eine fröhliche Kinderlied-Melodie. Paul ist froh, dass John und Yoko noch nicht bei den Studio-Sessions dabei sind. Da muss er wenigstens nur den Spott von George und Ringo aushalten, die natürlich die Augen verdrehen. George hasst Pauls schrullige Songs, aber fügt sich in sein Schicksal, Ringo meutert, dass es die mieseste Session sei, die sie je gemacht hätten.

Nicht Single-tauglich
Während sie streiten, fliegt plötzlich die Studiotür auf. Paul traut seinen Augen nicht, als John ein riesiges Krankenhausbett samt Yoko ins Tonstudio schiebt. Trotz Lennons bissigen Bemerkungen schraubt Paul unbeirrbar weiter an seinem „Maxwell“, bis der Song seiner Meinung nach als Single veröffentlicht werden kann. „Paul, das ist grottenschlecht“, wettert John, der keinen Finger für den Song krumm macht. „Niemals wird dieses Machwerk als Single heraus kommen.“ Wird es auch nicht, Pauls Ausflug in die absurde Welt des Alfred Jarry endet als Albumtrack.

Beitrag von Bettina Exner / Jürgen Jürgens