Beatles in Deutschland; Quelle: imago-stock
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- The Beatles - From Me To You

Wie der Hamburger Fotograf Jürgen Vollmer den Beatles die Haare schneidet und aus ihnen die weltberühmten Pilzköpfe macht

Das unzertrennliche Trio
Seit sie sich an der Hamburger Kunstschule getroffen haben, sind die Fotografiestudentin Astrid Kirchher, ihr Kommilitone Jürgen Vollmer und Grafikstudent Klaus Voormann unzertrennlich.

Das Trio verehrt Sartre, Camus, lebt den Existenzialismus und drückt den Lebensstil auch in der Kleidung aus.

Sie tragen schwarze Rollis und Jürgen Vollmer hat sich schon als Schuljunge 1955 nach dem Schwimmunterricht die für damalige Verhältnisse skandalös langen Haare ins Gesicht gekämmt. Als Zeichen seiner Verachtung für den Mief der 50er Jahre.

Die Gegenbewegung sind Rocker mit Lederjacken und Elvis-Tolle, die in den zwielichten Klubs auf der Reeperbahn rumhängen.

Die neue Band im Kaiserkeller
Obwohl die drei "Exis" Schiss haben, von den Halbstarken verprügelt zu werden, trauen sie sich im Herbst 1967 in den berüchtigten Kaiserkeller, um sich eine unbekannte Band aus Liverpool anzusehen.

Die Beatles sehen genauso aus wie die meisten im Publikum, tragen Jeans und gegelte Haartollen. Jürgen und seine Freunde sind wie elektrisiert von der fremden Musik, die ihnen sexuelle Freiheit verspricht.

Von nun an sind sie jeden Abend da. Den Beatles fällt das exotische Trio ebenfalls auf, Stuart Sutcliffe verliebt sich in Astrid. Stu findet Jürgens Frisur toll, er kann nicht aufhören, den jungen Fotografen anzustarren.

Als sich Astrid und Stu ineinander verlieben, will der Bassist genau so cool aussehen wie Astrids Freund. Kurzerhand legt sie selbst Hand an. Als Stu zum nächsten Auftritt kommt, kriegt John einen hysterischen Lachanfall, er kann gar nicht wieder aufhören, so absurd findet er Stus neue Frisur.

Friseur für einen Tag
Astrid Kirchher fotografiert die Jungs aus Liverpool, auch Jürgen macht ein paar Fotos von der Band. Besonders den eigenwilligen John findet er gut, aber da hat er seinen Mietvertrag in Paris bereits unterschrieben.

Jürgen möchte französische Stars wie Romy Schneider oder Catherine Deneuve porträtieren, die Beatles hat er schnell vergessen.

Sie ihn aber nicht, eines Tages trampen John und Paul nach Paris, um Jürgen zu besuchen. Die Seine-Metropole ist quasi die Hauptstadt der Existenzialisten. Hier fühlen sich John und Paul mit ihrer Rockerkluft wie Außerirdische.

Mit Jürgen ziehen sie über Flohmärkte, um sich andere Klamotten zu kaufen. Bleibt noch das Haarproblem. Das löst Jürgen, in dem er zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben als Friseur tätig wird und den Jungs die Haare schneidet.

John Lennon scherzt hinterher, er hätte seine Haare nicht geschnitten, sondern zerhackt. Kurz danach machen die Beatles mit Jürgens Frisur die ganze Welt verrückt.

Heute lebt Jürgen Vollmer zurückgezogen wieder in Hamburg und wie sich das für einen Existenzialisten gehört, meidet er die Menschen, auch Paul McCartney, der ihn mehrfach eingeladen hat.

Beitrag von Bettina Exner / Jürgen Jürgens