Fontanepromenade 15; Foto: imago/Klaus Martin Höfer
Bild: imago/Klaus Martin Höfer

- Fontanepromenade 15

Im Jahr 1906 als Haus für die Berliner Fuhrgenossenschaft gebaut, wurde die Adresse in der NS-Zeit zur "Schikanepromenade", denn dort befand sich die "Zentrale Dienststelle für Juden" des Berliner Arbeitsamtes. Nun wird saniert und debattiert, wie neben Büros und Wohnungen ein Gedenkort entstehen könnte.

NS-Dienststelle für arbeitsfähige Juden
Jüdische Mitbürger durften ab 1938 nicht zum Arbeitsamt gehen oder selbstständig nach Arbeit suchen. Für sie war das Amt in der Fontanepromenade zuständig, offizielle Bezeichnung "Zentrale Dienststelle für Juden". Knapp 45.000 Männer und Frauen wurden zur Zwangsarbeit in der Industrie eingeteilt. Wer dort bis zur Entkräftung schuftete, wurde nicht selten ins Vernichtungslager abgeschoben.

Mormonenkirche
Nach dem Krieg ging das Haus an eine Mormonengemeinschaft über, die bis 2010 dort in der Fontanepromenade regelmäßig Gottesdienste abhielt.

Initiative und Investition
Sechs Jahre lang stand das Gebäude leer, bis es der Bremer Architekt und Unternehmer Marc Brune kaufte. Sein Plan, einfach Wohnungen zu bauen, stieß auf Widerstand, die Initiative "Gedenkort Fontanepromenade 15" befürchtete, die Geschichte des Ortes könne "wegsaniert" werden.

Seit 2016 wird der Bau saniert, rund 800.000 Euro wurden bereits investiert. In einer Hälfte des Erdgeschosses will Brune Büros einrichten, die Etage darüber ist für Wohnungen vorgesehen.
Keller und ein Teil des Ergschosses sollen zum Gedenkort werden. Die Initiative schlägt vor, eine eine Forschungs-, Informations- und Begegnungsstätte mit Ausstellungen, Lesungen, einem Erzählcafé, Zeitzeugenvideos und Angeboten für Schüler sowie Forschung zu Zwangsarbeit einzurichten.

Die Renovierung geht ihrem Ende zu, über die Konzepte zur Erinnerung an das NS-Arbeitsamt wird noch beraten. Der "Runde Tisch Gedenken Zwangsarbeit" ist daran beteiligt, eine Empfehlung wird für 2018 erwartet.

Die Historikerin Susanne Willems, Mitglied der Initiative "Fontaneproemande 15", will Berliner Firmen, die damals von Zwangsarbeit profitiert haben, auffordern, sich an den Kosten zu beteiligen.

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