Am Freitag erschien die Single "Pflaster", die ausgekoppelt ist aus dem neuen Album "Gute Reise".
Etwas geerdeter klingt es als sein Vorgänger, geblieben aber sind die durchdachten klaren, aber dennoch nicht simplen Arrangements: Melodien, die man, je nach Geschmack, schön, eingängig oder auch glatt nennen kann, und die emotionalen Texte, die zwar mit Worten und Metaphern spielen, aber dennoch geradeheraus wirken: "Was wär ich ohne dich / Ein Segelschiff aus Stein / Was wär ich ohne dich / Ein Blatt im Wind allein". Ist das Kitsch?
Locker aber nicht seicht
So funktioniert guter Pop nun mal, der nicht schwer intellektuell sein will. Schließlich wurde auch ein Song zum Megahit, in dem viel mit Naturmetaphern gearbeitet wird: "Nach der Ebbe kommt die Flut / Am Strand des Lebens" oder "Es ist ok, alles auf dem Weg / und es ist Sonnenzeit / unbeschwert und frei", die Rede ist von Herbert Grönemeyers "Mensch".
Ich+Ich, also die Komponistin und Texterin Annette Humpe und der Sänger Adel Tawil, ein unglaublich erfolgreiches Duo: Die Hitproduzentin Annette Humpe (in den Neunzigern verantwortlich für den Durchbruch der Prinzen) könnte mit 58 Jahren die Mutter ihrer Zielgruppe oder sämtlicher " Popstars"-Absolventen sein, und Adel Tawil ist freundlich, höflich, unprätentiös und skandalfrei und damit ziemlich weit entfernt vom Typ des Fitnessclub-gestählten Tanz.