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Fr, 10.02.2012 | 12:01 Uhr

Kino-Tipps

Boxhagener Platz

Berliner Heimatfilm, der zeigt wie der großen gesellschaftliche Umbruch von 1968 seine Spuren in einem verschlafenen Altberliner-Kiez hinterlässt.

Die Story
Otti (Gudrun Ritter) ist eine richtige Berliner Kiez-Oma. Sie wohnt am Boxhagener Platz, kocht jeden Mittag mal Bouletten, mal Kohlrouladen oder mal Linseneintopf. Ganz harmlos läuft sie eines Tages mit ihrer Gießkanne über den Friedhof, als Tarnung ihren 12 jährigen Enkel Holger (Samuel Schneider) im Schlepptau. Aber eigentlich hat sie’s auf ein „zufälliges“ Treffen abgesehen und tatsächlich: Karl Wegener (Michael Gwisdek) seines Zeichens Ex-Spartakist und immer noch aufrichtiger Kommunist passt die alte Dame ab und macht ihr am Grab seiner Frau charmant Avancen.

Otti umgibt bei aller Bodenständigkeit, die sie in ihrer Kittelschürze ausstrahlt etwas dunkel Romantisches: unheimlich ist, dass sie schon fünf Männer ins Grab gebracht hat. Der sechste lebt zwar noch, liegt aber auch schon schwer kränkelnd im Bett. Otti wird wohl bald wieder zu haben sein. Das liegt irgendwie in der Luft und so macht ihr nicht nur der coole Kommunist sondern auch der Fischhändler Winkler (Horst Krause) Avancen.

Den geschenkten Karpfen schiebt Otti zwar nur allzu gern in die Röhre aber der Altnazi Winkler kann ihr Herz nicht betören. Als Fisch-Winkler eines nachts tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht auf seinen Nebenbuhler. Ausgerechnet Ottis Schwiegersohn , der Vopo Klaus-Dieter (Jürgen Vogel) versucht den Fall aufzuklären, wo der doch ganz andere Probleme hat. Seine junge Ehefrau, Ottis wilde Tochter Renate (Meret Becker), spürt die Aufbruchsstimmung der 68er in jeder Faser ihres Körpers: sie will einfach nur in den Westen abhauen.


Die Darsteller
Gudrun Ritter ist als Otti vom Boxhagener Platz einfach nur zum niederknien. Michael Gwisdek gibt als Charmeur alles, Jürgen Vogel und Meret Becker sind absolut unglamouröses Traumpaar und in den Nebenrollen glänzend besetzt. Eine Entdeckung ist der 15 jährige Samuel Schneider, der als Enkel Holger ein witzig trockener Beobachter der 68er Wirren am Boxhagener Platz ist .


Das Fazit
BOXHAGENER PLATZ ist ein humorvoller Kiez-Krimi, ein Berliner Heimatfilm der allerbesten Sorte. Mit wunderbarem Wortwitz und einem herrlichen Ensemble, bei dem man am liebsten selbst mit zur Familie gehören würde.

 
BOXHAGENER PLATZ
Regie: Matti Geschonneck
Darsteller: Gudrun Ritter, Michael Gwisdek, Samuel Schneider, Jürgen Vogel, Meret Becker, Horst Krause
Länge: 102 Min.
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Verleih: Pandora

Bewertung der Redaktion:

Stand vom 4.3.2010

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