Hinten nachgucken ist sinnlos, soviel vorab. Dieser Krimi gibt denen keine Chance, die ungeduldig die ersten 50 Seiten lesen und dann wissen wollen, wer's war. Detectiv Kathleen Mallory weiss lange Zeit nicht mehr als wir, wir müssen mit ihr durchhalten bis zum Schluss. Dabei ist die Spannung so groß, von Anfang an: "Wie ein Gespenst geisterte ein kleines Mädchen mit verfilztem Haar und verschmutzen Sachen durch die Grand Central Station."
Das Kind kommt immer zur selben Zeit, steht immer am selben Fleck, es wartet auf einen, den es nicht kennt und der nicht kommt. OK, man ahnt es, dieses Kind ist die Kathleen Mallory von einst, sie hat Glück, wird aufgegriffen und adoptiert von einem Polizisten mit gutem Gemüt. Aber sie hat auch Pech, denn sie bleibt besessen davon zu warten, auf den Vater, zu dem sie nur eine unvollständige alte Telefonnummer führen kann.
OK, es ist die oft bemühte "Jemand sucht seine Wurzeln und stochert in der Vergangenheit"-Geschichte, dazu kommen einige Morde am Wegesrand. Aber diese Geschichte hier ist nun mal erstens unglaublich spannend und angemessen verwirrend. Zweitens ist das richtig gut geschrieben, das abgedroschene Bild vom "Kino im Kopf" wäre hier mal ausnahmsweise angebracht. Drittens lernen wir eine Menge interessanter Leute kennen, auch Nebenfiguren haben - da genügen ja zwei Sätze, wenn sie gut sind - Profil und Charakter.
So dass wir also viertens ohne Mühe bis zum Schluss durchlesen, fast 500 Seiten. Kathleen Mallory kann meinetwegen sofort weiterermitteln.
(Monika Burghard)
Such mich!
Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: btb Verlag
ISBN-10: 3442752558
Preis: 14,95 Euro