Unfreiwillig komisch
Wenn überm Schaufenster ganz groß steht: "Alles vom Fisch". Und darunter auf der Scheibe, von Hand, knapp über der Auslage: "4 Sorten Ölsardinen". Ist das jetzt Stolz oder Scham? Und hat das damals jemand komisch gefunden, 1987 in Bernau? Immerhin, in Ölsardinen gab's Auswahl.
Abstand verklärt
Die sieben Leute, die vor der noch geschlossenen Feinbäckerei in Rudolstadt schon Schlange stehn, mit Körben und Taschen, sehen nicht sonderlich belustigt aus. Trotzdem: Mit dem gehörigen zeitlichen Abstand wirkt sowas doch kurios
Radeberg 1982, kleine Häuser mit deutlichen Verfallsspuren, auf einer Brandmauer ein stolzes Gemälde: Hochhäuser mit Balkonen, ganz schick, darunter der Appell: "Erlerne auch Du einen Bauberuf. Gestalte mit das sozialistische Antlitz unserer Republik." Hat es vielleicht nur an Maurern gemangelt?
Unverstellt und ohne Pose
Praktisch alle Bilder schwingen irgendwo zwischen Melancholie und unfreiwilliger Komik, aber es sind Momentaufnahmen, nichts Gestelltes, nichts Gewolltes. Es war, wie es war.
Triste Abenddämmerung am S-Bahnhof Warschauer Straße, Leute kommen von der Arbeit, haben noch eingekauft, keiner lacht. Tucholskystraße Berlin 1977, alte Häuser, keine Bäume, ein paar Autos, ein paar Kinder - nichts Aufregendes, aber so war's.
Die Schlange am Taxistand Bahnhof Friedrichstraße, der Blumenverkaufs-Pavillon: eine Vase mit einer Sorte Blumen, stolze Punker und stolze FDJ-Ler, junge fröhliche Paare und alte abgeklärte Paare.
Und 1990, da steht eine Familie an der Mauer Zimmerstraße und verkauft ein paar alte Sachen. Darunter das Buch "Vom Sinn unseres Lebens".
Monika Burghard
Gerd Danigel
"Schöner unsere Paläste!
Berlin-Fotografien 1978 - 1998"
Lehmstedt-Verlag
24,90 Euro