Buchcover Swing Time; Abb: Kiepenheuer & Witsch
Kiepenheuer & Witsch
Freundschaft in einer verrückten, ungerechten Welt | Bild: Kiepenheuer & Witsch Download (mp3, 2 MB)

- Swingtime

Der Roman von Zadie Smith erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden. Und das ist einfühlsam und manchmal witzig erzählt.

Zadie Smith ist in London geboren, in Nord-London, eher eine Arbeitergegend, als Tochter einer jamaikanischen Mutter und eines weißen Engländers - das erzähle ich deswegen, weil "Swing Time" genau dort spielt und weil es um zwei Mädchen geht, die braune Haut haben, also Zadie Smith erzählt aus dem Milieu, das sie kennt. Bei der Freundin der Ich-Erzählerin, die hat selbst hier keinen Namen, bei der ist allerdings die Mutter weiß und der Vater so gut wie verschwunden.

Und  für die Geschichte sind  Hautfarbe und Wohnviertel tatsächlich wichtig, es gibt sogar in der eher ärmliche Gegend selbst noch Abstufungen, die Freundin, Tracey, wohnt mit ihrer Mutter im Hochhaus, das ist noch viel weniger fein als das Haus, in dem die Erzählerin wohnt, weniger Etagen, dafür hat sie beide Eltern, ungewöhnlich in der Gegend - wirkt sich alles aus auf Lebenswege und Lebensalltag.

Die beiden Mädchen lernen sich kennen im Ballettunterricht, so was gibt es als Extra-Angebot an die Unterschicht-Kinder, allerdings, Tracey kann tatsächlich tanzen und macht dann auch erstmal eine kleine Karriere im Londoner West-End, während unsere Erzählerin später die Assistentin einer Pop-Ikone wird, und die ist wohl ein romanhaftes Abbild von Madonna, wie man so liest.

Wir gucken hinter die Kulissen, zumindest erzählt Zadie Smith uns so eine Geschichte, hier heißt die Pop-Ikone Aimee, sie reist - wie Madonna - gern nach Afrika und tut da gute Werke, allerdings ist sie sonst nicht so besonders umgänglich, es ist ein bißchen so wie in "Der Teufel trägt Prada".

Beide Mädchen machen also erstmal Karriere - und auch wieder nicht, ich will nicht alles verraten, aber am Ende: Nord-London. Bis dahin gibt es aber viel zu erfahren über das Leben dort, über die Schwierigkeiten, die man im Leben hat, wenn man nicht weiß ist oder arm oder eine Frau oder alles drei. Und das ist einfühlsam, manchmal witzig erzählt, gut 600 Seiten, gute Story.