Mädchen aus der Fremde
Da, wo sie herkommt, hatte das kleine Dorf einen Beinamen: Bajramaj-Dorf. Weil die Familie dort so groß war. Die Bajramajs standen gut da, hatten einen Bauernhof.
Als sie im Mai 1993 in Deutschland ankamen, waren sie Flüchtlinge, eine Familie mit fünf Kindern, keiner kann Deutsch, alles ist fremd und unheimlich. Die Zustände in dem Remscheider Flüchtlingsheim sind - kann man nicht anders sagen - beschämend, für uns.
Neustart mit Kämpfen
Die Eltern Bajramaj versuchen nach besten Kräften, alles richtig zu machen. Deutschkurse für die Erwachsenen, Arbeitssuche, Kindergartenplätze für die Kleinen.
Lira ist fünf Jahre alt - und muss schon kämpfen. Sie ist eins von zwei ausländischen Kindern im Kindergarten, harte Zeit. In der Schule wird's nicht besser, ausländerfeindliche Beschimpfungen sind üblich, es dauert eine Weile, bis die Kinder es wagen, sich dagegen zu wehren.
Der Ball kommt ins Spiel
Schon in der ersten Klasse erwischt es Lira: Die Liebe zum Ball. Sagt sie selber so. Liebe. Ihre Cousine Mimi hat's vorgemacht, jetzt spielt Lira auch, allein unter Jungs. Auf dem Schulhof, auf dem Bolzplatz, auf der Straße, sogar in der Wohnung.
Nur Papa darf's nicht wissen, Papas Püppchen und Fußball? Ausgeschlossen, verboten. Lira ist jetzt 8 und "eine kleine freche Göre" und spielt heimlich. Sie fällt auf, sie spielt gut, eine Lehrerein fördert sie - Lira spielt heimlich bei einem Turnier.
Vom Zweifler zum Fan
Der unerbittliche Vater sieht sie dort durch Zufall - und ist überzeugt. Dieses Mädchen ist so gut, sie muss Fussball spielen, eine Karriere beginnt. Der Rest ist bereits jetzt Fussballgeschichte - Frauenfussballgeschichte.
Ein sehr eindrucksvolles Buch, gut geschrieben, unbedingt jetzt lesen!
Monika Burghard
Lira Bajramaj
"Mein Tor ins leben - Vom Flüchtling zur Weltmeisterin"
Südwest-Verlag
9,95 Euro
