Kalter Abgrund
Dallinger ist genervt. Seit Tagen schneit es, die Auftragslage sieht düster aus, und nachts plagen ihn Albträume. Dann meldet sich auch noch seine Exfreundin. "Alles, was das Krimiherz begehrt!"
Michael Dallinger ist der Philip Marlowe von Berlin, das merkt man gleich. Er lebt ein unsentimentales, sachliches Leben, wie Marlowe. So: "Er nahm die Kanne vom Herd und schüttete den Kaffe in den Ausguss. Dann griff er nach seiner Jacke und verließ das Haus." Es kann losgehen mit dem Fall, Privatdetektiv Dallinger ist unterwegs, vor unserem geistigen Leserauge geht ein etwas jüngerer Humphrey Bogart durch die Chausseestrasse, und natürlich ist schlechtes Wetter.
So: "Der Schnee wirbelte in dichten Flocken durch die Luft. Die alten Lampen an den Ziegelwänden leuchteten nur schwach durch das Schneetreiben. Auf der Chausseestraße kroch ein einziges Auto über die verschneite Fahrbahn." Ja, da ist er, Raymond Chandlers lakonischer Ton, in dem man von harten Drinks, kaputten Briefkästen und toten Leuten erzählen kann. Der Ton, der sagt: Alles vorbei, Tom Dooley, aber das Leben geht irgendwie weiter.
Inas Leben geht leider nicht weiter, Dallingers Ex-Freundin ist tot, bevor sie sich noch einmal mit ihm treffen konnte. Selbstmord, sagt die Polizei. Ausgeschlossen, denkt Dallinger. Sie wollte sich doch noch unbedingt mit ihm treffen. Da bringt sich doch keine um, ist klar. Und so, wie Philip Marlowe in den Straßen von Los Angeles die sonderbarsten Leute trifft, alle ganz normal, so geht Dallinger durch die Kastanienallee und die Schönhauser, er streift durch die Stadt und sucht Spuren der toten Ina.
Natürlich gelingt es ihm, ihr großes Geheimnis aufzudecken, sonst wär er ja ein lausiger Detektiv. Und ganz hinten, so als Allerletztes, schaut er ein ganz klein wenig positiver in die Zukunft. So: "Es war ein gutes Gefühl".
(Monika Burghard)
Kalter Abgrund
Broschiert: 285 Seiten
Verlag: Berlin Verlag
ISBN-10: 3827008689
Preis: 14,90