Ein deutscher Familienroman
So, wie's hier war, konnte es nur in Deutschland laufen. Die Großeltern: Kommunisten, vor den Nazis nach Mexiko geflüchtet und dann zurückgekehrt, in die DDR.
Wilhelm und Charlotte sind linientreu bis in die Knochen. Die Eltern: laufen mit. Vater Kurt, während der Nazizeit im Moskauer Exil und dann ins Arbeitslager deportiert, sein Bruder kommt dort um. Eine Tatsache, die Wilhelm und Charlotte nie erwähnen. Vor anderen nicht, untereinander auch nicht.
Regiert die Poltik die Familie?
Vater Kurt kam aus der Sowjetunion zurück mit Irina, der Russin, die bei den DDR-Hardlinern nie heimisch wird. Ist das nun ein Konflikt zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter, oder geht's um Politik? Oder kann man den Alltag von der Politik gar nicht trennen?
Beobachtet wird das alles von Sascha, dem Sohn und Enkel, er sieht alles und sagt nichts. Schon als Kind. Er sieht, daß Großvater Wilhelm sich als eine Art sozialistischer Patriarch aufspielt, der nichts gelten läßt außer sich selbst, auch nicht die Großmutter.
Die Oma, die ihrerseits eine kalte Frau ist und darunter leidet, dass sie, die Intellektuelle, im real existierenden Sozialismus von Wilhelm, dem Parteiarbeiter, abgehängt wird. Überholen ohne einzuholen.
Eine Atmosphäre aus Heuchelei und Intrigen umgibt Sascha, er verläßt die DDR kurz vor Schluß. Und landet in Mexiko, um auf seinen Tod zu warten, er ist schwer krank.
Fragen nach dem Zusammenhang
Im Ganzen ist das viel mehr als ein Familienroman: Das ist Geschichte, wie sie sich im Alltag spiegelt - das Große, das so klein wird und so niedrig.
Ein Roman des Verfalls, und die Frage steht: Sind da zuerst die Menschen verkommen mit ihren Ideen oder der Staat mit seiner Ideologie? Ganz großartiges Buch.
Monika Burghard
Eugen Ruge
"In Zeiten des abnehmenden Lichts"
Rowohlt
19,95 Euro
