Klatsch auf höchstem Politniveau
Könnte gut sein, dass sie das historische Traumpaar des 20. Jahrhunderts waren: John F. Kennedy, genannt Jack, und seine Jackie, seine aparte First Lady, die immerhin Modegeschichte schrieb. Und dabei wär's besser geblieben.
Das, was Jackie damals zu erzählen hatte, kurze Zeit nach dem Attentat auf ihren Mann, lässt weder Jack noch die Geschichte in einem neuen Licht erscheinen.
Ihre Lästereien über Politiker und Politikerinnen aus aller Welt, die sie auf diplomatischem Parkett kennenlernte - die sind zwar so interessant wie jeder Klatsch.
Überforderte First Lady
Die Urteile der damals 34-jährigen Jackie sind nicht mehr als die privaten, oberflächlichen Eindrücke einer jungen Frau, der das ganze aufgeregte politische Leben ohnehin auf die Nerven ging.
Ihr fehlte die Konstitution, die man wohl für diese Rolle als "Frau an seiner Seite" brauchte, für diesen Marathon aus Wahlkampfveranstaltungen, großen Empfängen und Bällen.
Jackie betont immer wieder, wie sie bei dieser und jener Gelegenheit schlapp machte, zur Amtseinfühung des Präsidenten gab eine Ärztin ihr das, was man heute Speed nennt. Für den ganzen Abend hat auch das nicht gereicht.
Fortgeschriebener Mythos
Die Legende von Jack und Jackie, die wird durch Jackies Erzählungen weiter geheiligt. Kein Wort über das, was gerade in diesem Jahr Aufsehen in den USA machte: all die schlechten Nachrichten über John F. Kennedy, seine Krankheiten, seine Frauengeschichten - für Jackie kein Thema.
Man hat ihr oft Naivität unterstellt - für das, was hier zu lesen ist, wäre das noch die freundlichste Erklärung.
Monika Burghard
Jacqueline Kennedy
"Gespräche über ein Leben mit John F. Kennedy"
Hoffmann und Campe
24,99 Euro
