Buchcover: OST-BERLIN; Foto: Jaron Verlag GmbH / Harald Hauswald
Jaron Verlag GmbH / Harald Hauswald
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Harald Hauswald (Fotos), Lutz Rathenow (Text) - Ost-Berlin - Die verschwundene Stadt

Bilder aus dem Alltag, Bilder einer verschwundenen Stadt. Harald Hauswald beweist einmal mehr seinen neugierigen und dokumetarischen Blick in eine Zeit, die uns so fern erscheint.

Man weiß ja schon beim Cover nicht, ob man lachen oder weinen soll - drei Männer in der Bahn, dick verpackt, ist wohl Winter, zwei mit Russenmütze, einer mit Mittelscheitel - und die Gesichter von den Dreien: hoffnungslos, lustlos, enttäuscht und beleidigt - also, erst lacht man, und dann guckt man selbst ein bißchen traurig

Grauer Alltag
So ging es mir die ganze Zeit, die Fotos sind ja alle in Schwarzweiß, und das passt genau zu dem Gefühl, das man beim Anschaun bekommt, Freude und Spaß ist wenig, aber dafür ganz viel Grau. Manchmal allerdings ist es richtig witzig, zum Beispiel, wenn der Fotograf ausgerechnet auf dem U-Bahnhof Klosterstraße - zwei Nonnen knipst, oder - auch in der Bahn - ein verliebtes Pärchen beim Kuscheln, und die beiden gucken dabei mit besorgtem Blick auf die alte Frau, die neben ihnen sitzt wie eine Zukunftsdrohung: Allein, alt und richtig mies gelaunt.

Berlin Ost feiert - aber wie
Ich hab auch Bilder gefunden, wo wer Spaß hatte - die Punks, blutjung, schrill frisiert und gut gelaunt. Und dann genau auf der Seite gegenüber, ich gebe zu, das ist so witzig, da hab ich laut gelacht: Eine marode Aussenmauer, daran ein Transparent: "Frieden ist nicht Sein - sondern Tun!", und darunter: Eine ganze Reihe älterer Herrschaften auf einer Bank, keiner lacht, keiner tut was, auch nicht für den Frieden, Untertitel: "Fest an der Panke 1987". Das ist im Nachhinein einfach - komisch.

Das sind ja quasi Volltreffer für einen Fotografen, so wie das Bild von dem jungen Mann, der offenbar zu wie eine Aktentasche auf dem Bürgersteig liegt, neben ihm eine leere Flasche irgendwas, über ihm ein Schaufenster mit Gardine, Fernsehturm und der Werbung für "6 aus 49 - Hauptgewinn".

Traurig und witzig. Und verboten. Die Bilder und die Texte sind entstanden zur 750-Jahr-Feier Berlins und sollten das andere, das echte, ungeschminkte Ost-Berlin zeigen. Das hat der Staatsführung nicht gefallen, das Buch konnte in der DDR nicht erscheinen. Jetzt ist es Kult.

Beitrag von Monika Burghard

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