Davongekommen
Keith war bei denen, die sich in endlosen Karawanen die Treppen in einem der Türme hinuntertasteten, nach dem Flugzeugeinschlag. Er hat seinen Freund am Schreibtisch sterben sehen, er sieht ein Hemd nach unten fliegen, die Ärmel flattern.
Er stolpert durch den Regen aus Asche und Staub, er umklammert eine Aktentasche, die ihm nicht gehört. Und obwohl wir alle diese Bilder ja längst kennen aus dem Fernsehen, bekommen sie hier nochmal eine andere Qualität, plötzlich ist alles sehr nah, als wäre man dort gewesen.
Bekanntes wird fremd
Keith tastet sich verwirrt durch Straßen, die er mal gekannt hat, in einem anderen Leben. Er trifft Menschen, die sehen aus wie von einem anderen Stern. Und durch das Chaos geht er dahin, wohin er längst nicht mehr gehört: Zu seiner Ex-Frau und seinem Sohn.
Das einzig Verläßliche offenbar in dieser Verwirrung. So, wie sein Leben aus den Fugen geriet, so kommt das Leben der kleinen Rest-Familie jetzt auch ziemlich durcheinander,
Alles ist anders
Ex-Frau Lianne ist hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach Ruhe und der Bereitschaft zu helfen. Am Ende läuft es darauf hinaus, was längst klar geworden ist in den letzten 10 Jahren: Es gibt keine Davongekommenen, für alle hat sich etwas Grundlegendes geändert seit jenem 11. September, der keine Jahreszahl braucht.
Monika Burghard
Don de Lillo
"Falling Man"
Goldmann
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