Wo ist Dad?
Ein Junge sucht die Spuren seines Vaters. Der ist umgekommen am 11. September, in einem der Türme, er hat noch angerufen damals, mehrfach.
Er hat versucht, seine Familie zu beruhigen und vermutlich
auch sich selbst, durch den Kontakt mit dem wirklichen Leben da unten, das letzte Telefonat ist auf dem Anrufbeantworter, es reißt ab, mittendrin, als der Turm einstürzt.
Wissensdurst und Neugierde
Oskar, der Sohn, neun Jahre alt, ist ein bißchen altklug und weiß unblaublich viel. So kommt das wohl, wenn ein Erwachsener versucht, sich zurückzuversetzen in ein Kind - und trotzdem sind wir beim Lesen sehr schnell und sehr gern mit Oskar unterwegs.
Er ist ein sehr nachdenklicher und freundlicher Junge und wir würden ihn gern beschützen - aber dass es mit dem Beschützen meistens nicht klappt, das haben wir ja gerade alle gelernt am 11. September, das Unglück kommt, wann es will.
Geschichten von Vater und Sohn
Oskar hat bei den Sachen seines Vaters einen Schlüssel gefunden, der nirgends in der Wohnung passt, eine Notiz war dabei: "Black". Und Oskar sucht nun in New York nach allen Leuten, die "Black" heißen, irgendeiner muss es ja sein, denkt er, irgendeiner weiß, was es mit diesem Schlüssel auf sich hat.
Das klingt alles sehr symbolisch, liest sich aber sehr bodenständig, und Oskar kommt viel rum in diesem geschüttelten New York, 9/11 ist noch nicht lange her.
Er trifft viele Menschen, hört viele Geschichten - und kommt seiner eigenen auf die Spur. Unvermutet lernt er seinen Großvater kennen, es gibt da noch eine andere, sehr viel ältere Vater-Sohn-Geschichte, und Oskar selbst hütet ein trauriges Geheimnis.
Ganz starkes Buch.
Monika Burghard
Jonathan Safran Foer
"Extrem laut und unheimlich nah"
Kiepenheuer & Witsch
9,95 Euro
