Alte Zeiten
Harold, gut über sechzig, lebt mit seiner Frau Maureen ein ruhiges Rentnerleben, ohne sich viel dabei zu denken. Sie kennen alle Nachbarn seit Jahrzehnten, sie meckern sich jeden Tag ein bißchen an, so vergeht die Zeit.
Bis dann der Brief kommt. Der Brief von einer früheren Arbeitskollegin, an die sich Harold aber gut erinnert. Sie schreibt, um sich zu verabschieden, sie hat Krebs. Und Harold schreibt zurück, ein paar dürre Zeilen, was soll man da schon schreiben.
Ein langer Weg durchs Leben
Er macht sich auf den Weg zum Briefkasten, geht durch die Straßen, die er seit Ewigkeiten kennt, geht quasi durch sein Leben - und geht immer weiter.
Am Briefkasten vorbei, am nächsten auch, am übernächsten - er hat sich auf den Weg gemacht zu Queenie, die in einem Hospiz tausend Meilen entfernt auf den Tod wartet. Harold ruft an und sagt, er käme jetzt und Queenie soll warten.
Wandern und lernen
Harold geht zu Fuß, so wie er aus dem Haus ist, keine Karte, kein Handy, wenig Geld, in den falschen Schuhen. Geht und geht und macht sich Gedanken, während seine Waden Krämpfe kriegen und seine Füße Blasen.
Er zieht so eine Art Bilanz unterwegs, die Ehe, das Zerwürfnis mit dem Sohn. Er trifft Leute, von denen er was lernt - oder die was von ihm lernen. Harold wollte bloß einen Brief einwerfen - und jetzt ist er unterwegs durch sein altes Leben in ein neues, und irgendwann kommt er an bei Queenie.
Ein melancholischer Wander-Roman mit einem stillen, schönen Schluss
Monika Burghard
Rachel Joyce
Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry
Krüger Verlag
18,99 Euro
