"Das Rohrpostnetz von Gross-Berlin", man soll es nicht glauben, von Pankow bis Steglitz hat es gereicht und von Charlottenburg bis Rummelsburg, grosse Rohre liefen unterirdisch kreuz und quer durch die Stadt, Pakete und Briefe wurden quasi durchgeschossen, mit Druckluft, und das schon vor gut 140 Jahren. Berlin ist unterkellert, das ist was für Leute, die glauben, ihre Stadt zu kennen.
So bestimmt nicht. Angefangen hat die Aktion Unterkellerung mit dem Bier, komisch, mit dem sogenannten Untergärigen, das kam aus Bayern, wurde trotzdem in Preussen Mode und brauchte kühle Räume, zum Herstellen und zum Lagern. Interessant. Warum reiste Bolle zu Pfingsten nach Pankow? Weil es hier die meisten Brauereien gab vermutlich, in Pankow waren damals die Grundstücke billig. Wieder was gelernt.
Schöne Fotos vom unterirdischen Berlin gibt's natürlich auch, mein Favorit: Die Reste eines Biervorrats, den der West-Berliner Senat während des Kalten Krieges angelegt hatte, Senatsreserve hiess das und sollte die Versorgung der Bevölkerung garantieren. Unter anderem mit Bier. Eine nette Idee. Man lernt sehr viel in diesem Keller-Buch, zum Beispiel, dass auch die Unterwelt gern mal abtauchte in den Untergrund, bis hin zu Kaufhauserpresser "Dagobert", der ein paar Mal durch die Kanalisation entwischte, bis er dann doch überirdisch einsass.
Die Wasservorsorgung, die U-Bahnen, Gewölbe unter Fabrikanlagen, Festungen und Kirchen - viel ist noch immer oder schon wieder zu besichtigen, wem das zu kühl wird, der kann hier gemütlich rumblättern.
(Monika Burghard)
Die Stadt unter der Stadt: Das unterirdische Berlin
Broschiert: 96 Seiten
Verlag: Jaron Verlag
ISBN-10: 3897736519
Preis: 12,95 Euro