Was wäre, wenn . . .
Dornröschen hat ein Happy End, keine Frage. Der Prinz kommt, küsst und heiratet, und wenn sie nicht...; angeblich war ja auch die Prinzessin total glücklich, endlich verheiratet, darauf kam's ja schließlich an.
Wie es aussieht, wäre es auch anders gegangen. Es kommt einer, der ist gar kein Prinz, kann aber schön singen, er singt sich durch die Rosenhecke und das reicht schon, um Dornröschen zu erwecken.
Sie hopst die Treppe runter, geküßt wird nicht und auch nicht geheiratet, Donröschen meint nur: "Bleib in meiner Nähe... Ich kann einen brauchen, der so schön singt und der lachen kann." Das ist ja mal emanzipiert. Und klingt viel freundlicher als das ewige Heiraten und Regieren.
Schicksal spielen
Auch das bedauernswerte Mädchen mit den Schwefelhölzern, arm bis auf's Hemd, das sich mit seinen letzten unverkäuflichen Streichhölzern den eigenen Tod erleuchtet - hier hat es ein freundlicheres Schicksal.
Sie trifft auf eine Truppe von Wanderschauspielern, darf bleiben und tanzt nun jeden Abend in einem Kreis von Schwefelhölzchen - vor Publikum. Kitschig? Kann sein, aber nicht so trostlos, wie unsere alten Märchen oft sind.
Auch Schneewittchen muss zwar für immerhin sieben Zwerge waschen, putzen und kochen, sie muss auch warten, bis der Prinz kommt - aber am Ende wird sie die weise Regentin des Landes.
Mal was anderes, Märchen haben sich schließlich immer mal gewandelt.
Monika Burghard
Luisa Francia
"Die Schatzhüterin - Klassische Märchen neu erzählt"
Nymphenburger Verlag
17,99 Euro
