Die Berliner Mauer - Fotografien 1973 bis heute
Eine Gedächtnisstütze für alle, die Berlin nur ohne Mauer kennen und für alle, die den Betonwall noch kannten. Ein Zeitsprung von schwarz-weiß zur Farbe. Unbedingt zu empfehlen.
Von Grau zu Blau
Er funktioniert ja immer, der Vorher/Nachher-Effekt. Vorher Schwarzweiss, nachher in Farbe.
Brunnen- Ecke Bernauer Straße 1973, spanische Reiter, Stacheldraht, Mauer, die Häuser grau, die Straße trist, ganz hinten im Dunst der Fernsehturm.
Vierundzwanzig Jahre später, genau wieder da: Der Himmel ist blau, die Straße ist frei, ordentlich Leben auf der Kreuzung, am Laternenpfahl Wegweiser in alle Richtungen. Ein Jogger wartet auf Grün an der Ampel, er will von Ost nach West, und er ist so jung, dass er wohl keine Ahnung hat, wie symbolisch er da läuft.
Alles anders
1990, Schwedter Straße Ecke Gleim, die Mauer steht noch, aber nur noch als Wand. Es gibt einen frischen Durchbruch, an eins der Mauertrümmerteile hat jemand geschrieben "Frei atmen"
Eine Gruppe Passanten steht abseits und guckt nur, von Ost nach West, wie früher, da fehlt noch das richtige Vertrauen in die neuen Verhältnisse, so sieht es aus.
Siebzehn Jahre später: alles ordentlich. Die Häuser renoviert, die Straßen saniert, Fahrradwege, Parkhäfen - und Leute, die ihrem Alltag nachgehen. Mauer? Ja, war hier irgendwo.
Unwirklich
Jedesmal beim Umblättern der neue kleine Schrecken beim Blick auf's Schwarzweiß Bild, vorn die Sperranlagen, die Mauer, dahinter eine ferne, fremde Stadt.
Und dann ein kleines Aufatmen beim Blick auf's bunte Foto - so kennt man halt seine Normalität, laut und durcheinander - und ohne Mauer.
Ein Buch wie eine Stadtrundfahrt, mit Abstecher in die Vergangenheit.
Monika Burghard
Karl L. Lange
"Die Berliner Mauer - Fotografien 1973 bis heute"
Sutton-Verlag
19,95 Euro
