Berlin zur Kaiserzeit - Fotografien
Die lebendigen Fotografien von P.A. Lebrun, ursprünglich als Teile von stereoskopischen Bildern angefertigt, eröffnen einen faszinierenden Blick auf Berlin in den Jahren 1912 und 1913.
Vielleicht liegt's ja daran, dass wir hier nicht mehr so viel Altes haben - jedenfalls sind Berlin-Fotobände von anno knips momentan sehr angesagt. Und dieser hier hat's richtig verdient - weil er ein bisschen anders ist. Nicht immer nur die schönen alten Plätze, aber leider ohne Leute. Diese Kaiserzeit hier ist mit sehr viel Leuten, die spazieren oder rennen durch ihren Alltag, sie konnten ja nicht wissen, dass sie hundert Jahre später von uns betrachtet werden wie Sehenswürdigkeiten.
Also erwischt man schon mal eine gesetzte ältere Dame beim ausgiebigen Gähnen - mitten auf der Straße, direkt vor der Lindenoper, total unvornehm. Soweit das damals möglich war, sind hier Schnappschüsse entstanden, die Leute sehen die Kamera, ist ja auch kein Wunder gewesen, damals noch ein größerer Aufbau, keiner lächelt da mal rein, sie fühlen sich wohl eher gestört im Privaten. Das Thronjubiläum von Wilhelm Zwo war nicht ganz so privat, die Stadt war Paradegebiet: ein Dragoner-Musikzug zu Pferde, die Herren reiten freihändig, sie müssen dabei trompeten, und aus den Fenstern vom Aschinger-Restaurant dahinter hängen die neugierigen Kinder.
Sowieso sind bei Feierlichkeiten der hohen Herrschaften die Straßenränder immer gepackt voll Volk, das Volk jubelt begeistert - ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg. Am Leipziger Platz warten die ersten Taxifahrer auf Kundschaft und Unter den Linden wimmelt es von uniformierten Herren und Kindermädchen in Spreewälder Tracht. Schon eine ziemlich andere Stadt damals - ein sehr, sehr lebendiges Berlin-Buch.
Autorin: Monika Burghard
Berlin zur Kaiserzeit - Fotografien
Autor: Wolfgang Bartmann
Gebundene Ausgabe: 111 Seiten
Verlag: Sutton Verlag; Auflage: 1 (1. März 2011)
ISBN-10: 3866808062
Preis: 19,95 Euro