Buchcover Truggestalten; Verlag Galiani
Kleine gruselige Geschichten; Verlag Galiani | Bild: Verlag Galiani Download (mp3, 2 MB)

Rudolph Herzog - Truggestalten

Bewertung:

Sieben gruselige Geschichten, die sich früher oder später immer auf Berlin beziehen, unheimlich, verwirrend und logisch zugleich - und eine, die erklärt, warum es mit dem Flughafen nichts wird.

Was geschieht da so Geheimnisvolles? Es hat immer mit dem Gestern zu tun, das seine Spuren ins Heute schickt, also Ereignisse, die weiterwirken, rätselhaft und unheimlich. So richtig aufgelöst werden diese Rätsel nicht, die Geschichten wirken nach, man  bleibt so ein bisschen im Unheimlichen sitzen - aber wir sind beim Lesen immer im Hier und jetzt.

Hausmeister Wondrak
Die erste Geschichte heißt "Schlüssel", sie spielt  in einem ganz normalen Mietshaus mit Hof. Da wohnt Wondrak, der ist uralt, seit 50 Jahren dort Hausmeister. In den 70ern ist er mit dem Fahrrad betrunken in den U-Bahnschacht am Wittenbergplatz gefahren und hat seither ein steifes Bein. Und obwohl er eigentlich gar nicht mehr der Hauswart ist, seit ein Investor alles übernommen hat und teuer verkauft, macht er noch kleine Reparaturen und die üblichen Bemerkungen eines Berliner Hauswarts gibt es gratis dazu.

Knochen im Hinterhof
Das klingt nach einer schönen Alltagsgeschichte, aber so sind die Stories: Wir werden eingestimmt auf ganz normale Ereignisse, und in die mischt sich dann still und leise der Horror. In diesem Fall ist es das marode Gartenhaus im Hinterhof. Es werden Knochen dort gefunden, menschliche Gebeine, im Krieg gab es dort Verschüttete.

Niemand im Haus weiß Genaues. Außer vielleicht Wondrak. Aber der ist am nächsten Tag tot. Er liegt in der Baugrube am Gartenhaus. Und ich sage nur soviel: Er hat gewuast, was kommt, denn er war ja damals schon hier.

So sind alle Geschichten, unheimlich, verwirrend und logisch zugleich - und eine, die erklärt sogar, warum es mit dem Flughafen nichts wird.

Beitrag von Monika Burghard

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