Kurz und gut
Stimmt also wirklich, die Länge macht's nicht. Beispiel: "Die junge Hebamme grinste böse, als sie die beiden Armbändchen vertauschte. Der kleine Luke Steel hieß nun Charles Windsor. Und umgekehrt."
Den Rest dieser weltverändernden paar Wörter kann man sich selbst denken, und sollte es je zur Aufklärung kommen, hätte Rolf Seelmann-Eggebert Arbeit für Jahre.
Schwarzer Humor
Die Stories sind überwiegend, ja, böse. Vier Zeilen Abgrund, in Kapitel sortiert: Angst, Lüge, Chaos, Wahn, Pech, Täuschung. Aber natürlich auch Liebe. Kein bißchen besser.
Ein Vier-Zeilen-Krimi geht so: " 'Das ist sie.' Zärtlich berührte er das Hochzeitsfoto. 'Tu mir nur einen Gefallen', er sah zu dem Mann auf, 'lass sie nicht leiden.' " Kaputte Ehe, Auftragskiller, Mord.
Ganz schön schwarz.
Pointen mit Effekt
Auch in der Abteilung Glück ist es nicht weiter heiter: "Krachend schob sich der Eisbrecher durch die weiße Unendlichkeit. Arvid blickte zum Horizont. Bald würden sie den Äquator erreichen." Glück nach der Klimakatastrophe.
Und noch märchenhaftes Glück: "Der beißende Gestank raubte ihr die Sinne. Plötzlich durchschnitt ein feiner Lichtstrahl die Finsternis. 'Na endlich!', keuchte Rotkäppchen." Eine Innenansicht. Ganz neuer Standpunkt. Happy End in vier Zeilen.
Monika Burghard
Florian Meimberg
"Auf die Länge kommt es an.
Tiny Tales - Sehr kurze Geschichten"
Fischer
TB 7,99 Euro
