Spion in der Kälte
Geheimagent unter Stalin, das ist bestimmt kein leichter Job. Verrat lauert hinter jeder Ecke, keinem ist zu trauen, im Moskau von 1950 weht ein eiskalter Wind.
Auch für Leo Demidow, 27 Jahre alt, aufgestiegen im Geheimdienst durch eine eigentlich fiese Mischung: schlichter Gehorsam und Glauben an den Staat, dem er dient. Aber immerhin, sein Patriotismus ist ehrlich, und er hat einen "wachen Blick für Details".
Sein Job: Er liest Tagebücher fremder Menschen, sucht unermüdlich nach antisowjetischer Agitation, und natürlich findet er auch immer was.
Spionage-Alltag
Wir lesen mit, und wir sind sehr schnell drin in dieser Atmosphäre aus allgemeinem Mißtrauen, die zum Alltagsgefühl wird, auch und gerade für Leo. Wir sind mit ihm unterwegs in Moskau, im Januar, lernen seine Kollegen kennen, seine Familie.
Weichenstellung
Leo kriegt einen neuen Job, einen, der auch seine Zukunft bestimmen wird. Jesse Austin, ein amerikanischer Sänger, schwarzer Bürgerrechtler, kommt nach Moskau, und er soll nur den allerbesten Eindruck bekommen vom real existierenden Sozialismus. Verlogenheit als Programm, Leo tut sein Bestes.
Auch, als 15 Jahre später alles scheinbar anders läuft. Der Kalte Krieg ist nur noch lau, es gibt ein Gemeinschaftskonzert von sowjetischen und amerikanischen Schülern in New York, Leo ist dabei mit Frau und Kindern, auch Jesse Austin - und die Katastrophe für alle ist programmiert.
Der Ex-Geheimdienstler zwischen den Welten hat keine Chance - eine spannende Agentengeschichte vom Scheitern.
Monika Burghard
Tom Rob Smith
"Agent 6"
Manhattan Verlag
21,99 Euro
