radioBERLIN 88,8

radioBERLIN 88,8

radioBERLIN 88,8 - Das Hauptstadtradio

Sa, 25.05.2013 | 03:46 Uhr

Nachrichten

Alexanderplatz (Bild: dpa)

Kriminalität

Nach tödlicher Prügelattacke - Suche nach Hinweisen

Nach dem Totschlag eines 20-Jährigen am Berliner Alexanderplatz fahndet die Polizei mit Hochdruck nach den Tätern. Noch immer gebe es keine konkrete Spur, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Es seien aber mehrere Hinweise eingegangen, denen man nun nachgehe.

Der 20-Jährige war nach Polizeiangaben in der Nacht zu Sonntag auf dem Alexanderplatz mit Freunden unterwegs. Die Gruppe wurde von anderen jungen Männern angegriffen. Dabei wurde der 20-Jährige so schwer verletzt, dass er am Montag an den Folgen der Schläge vor allem gegen den Kopf starb. In den Fahndungsaufrufen der Polizei ist von einem "südländischen Aussehen" der Täter die Rede.

Gewerkschaft der Polizei fordert höhere Strafen für Schläger

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte im Zusammenhang mit der Tat höhere Strafen für Gewalttäter. "Vom Grundsatz her müsste das maximale Strafmaß öfter ausgenutzt werden", sagte der GdP-Landesvorsitzende Michael Purper. Davon könnte seiner Ansicht nach eine "abschreckende Wirkung" ausgehen.

Darüber hinaus sprach er sich für mehr Polizeipräsenz an Brennpunkten wie dem Alexanderplatz aus. Der Platz sei schon seit einigen Jahren nicht mehr sicher, fügte Purper hinzu. Dagegen könne die Polizei nur mit zusätzlichen Mitarbeitern vorgehen. "Wir haben derzeit jedoch kein Personal, um präventiv tätig werden zu können",  beklagte der Vorsitzende. Unter der rot-roten Koalition seien 4.000 Stellen abgebaut worden.

Experte: Gewaltexzess erschüttert - aber kein einmaliger oder neuer Fall

Gewaltattacken wie in diesem Fall sind nach Einschätzung des Berliner Opferbeauftragten Roland Weber keine neue Entwicklung. "Fälle ungehemmter Brutalität haben wir jedes Jahr, auch in anderen Bundesländern", sagte Weber am Mittwoch.

Fremdenfeindlichen Einträge im Kondolenzbuch

Zahlreiche Menschen haben sich in ein Kondolenzbuch für den getöteten jungen Mann asiatischer Abstammung eingetragen. Die Gemeinde der evangelischen Marienkirche in unmittelbarer Nähe des Tatortes zeigte sich allerdings erschüttert darüber, dass bei rund zehn Prozent der bislang 50 Eintragungen Ausländerhass zum Vorschein komme.

Am wurde Mittwoch bekannt, dass in dem Kondolenzbuch für das Opfer wiederholt fremdenfeindliche Eintragungen vorgenommen wurden. Sollte ein schriftlicher Aufruf, davon Abstand zu nehmen, keine Wirkung zeigen, müsse das erst am Dienstag ausgelegte Kondolenzbuch wieder geschlossen werden, kündigte Gemeindesprecherin Anna Poeschel an.

Bei den teilweise mit Namen gekennzeichneten Einträgen im Kondolenzbuch handelt es sich etwa um Fragen wie "Wann werfen wir dieses Pack aus der Heimat?" oder "Wie lange müssen wir diese Migrantengewalt noch ertragen?", berichtete Poeschel. Mit dem Buch sollten Berliner ihrer Trauer und Anteilnahme mit den Angehörigen des Todesopfers Ausdruck geben können.

Stand vom 18.10.2012