Parteien
Gerhard Anger ist neuer Chef der Berliner Piraten
Gerhard Anger ist zum zweiten Mal als Vorsitzender der Berliner Piraten gewählt worden. Der 36-Jährige setzte sich am Samstag auf einem Landesparteitag mit deutlicher Mehrheit gegen sieben Konkurrenten durch.
Insgesamt entfielen auf ihn 79,7 Prozent, das waren 234 von 290 gültigen Stimmen. Benjamin Meyer wurde mit 55 Prozent der Stimmen zu seinem Stellvertreter gewählt. Neuer Schatzmeister ist der IT-Geschäftsführer Gordon Thomas (33).
Die Amtszeit des Vorstandes beträgt ein Jahr. Anger wird den Landesverband damit auch zur Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres führen.

Berliner Piraten haben derzeit 3800 Mitglieder
Anger will "sowas wie OpenGovernment machen"
Anger begründete seine Bewerbung vor allem damit, dass die Piraten sich angesichts ihrer auf rund 3800 fast verdreifachten Mitgliederzahl besser organisieren müssten. Er empfahl seiner Partei einen dritten Weg
zwischen Weiterwursteln wie bisher (twittern, bloggen, Dinge im Wiki verstecken) und Anpassung an die etablierten Parteien. Er wolle alle Informationen über die Piratenpartei "nachvollziehbar und unmittelbar veröffentlichen und sowas wie OpenGovernment machen."
Anger hatte das Amt bereits einmal ein Jahr lang inne. Auf dem Parteitag im Februar dieses Jahres hatte er allerdings nicht mehr kandidiert und dies mit der hohen emotionalen Belastung begründet. Die Partei war bei der Abgeordnetenhauswahl im vergangenen September erstmals in ein Länderparlament gewählt worden und stand in der Folge vermehrt im öffentlichen Fokus.
Ein Antrag, keine neue Parteispitze zu wählen, wurde von den Delegierten mit klarer Mehrheit abgelehnt. Ebenso deutlich sprachen sich die Mitglieder der Piratenpartei dagegen aus, künftig einen Generalsekretär zu wählen.

Landesparteitag der Piraten
Vorgänger Semken übt sich in Selbstkritik
Der frühere Vorsitzende Hartmut Semken war im Mai nach nur drei Monaten wegen diverser Affären und umstrittener Äußerungen über den richtigen Umgang mit Rechtsradikalen in der Piratenpartei zurückgetreten. Am Samstag übte er vor den Delegierten deutliche Selbstkritik. "Ja, ich habe Scheiße gebaut", sagte er mehrfach in seinem kurzen Rechenschaftsbericht. Semken ging allerdings inhaltlich nicht auf seine Fehler ein.
Semken hatte aus einer vertraulichen Sitzung des Vorstandes Informationen per Mail an einen Journalisten herausgegeben sowie über den Zeitpunkt und Inhalt der Nachricht die Unwahrheit gesagt.