Gesundheit
Zahl der Magen-Darm-Erkrankungen steigt weiter an
In Berlin und Brandenburg ist die Zahl der Magen-Darm-Erkrankungen erneut deutlich gestiegen.
Wie die Berliner Senatsverwaltungen für Gesundheit und Verbraucherschutz am Freitag mitteilte, liegt die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen in der Stadt jetzt bei fast 2200. Insgesamt seien 58 Schulen und 22 Kindertagesstätten in zehn Stadtbezirken betroffen.
In Brandenburg wurden bislang fast 1750 Krankheitsfälle gemeldet. Laut Gesundheitsministerium in Potsdam hat das bislang nicht eindeutig identifizierte Virus sechs Landkreise und zwei kreisfreie Städte erreicht. Erkrankungen gebe es in den Städten Potsdam und Brandenburg an der Havel sowie in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberhavel, Barnim, Havelland und Potsdam-Mittelmark. In Stahnsdorf blieben am Freitag zwei Schulen geschlossen.
Der Krankheitsverlauf sei jedoch ausschließlich leichter Natur, sagte der Beauftragte des Landes Brandenburg für Infektionsschutz, Ullrich Widders, dem rbb am Freitagabend.
Schon über 6000 Kinder erkrankt
Insgesamt sind in Berlin, Brandenburg, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt über 6000 Kinder erkrankt. Noch stehe nicht fest, ob tatsächlich der Norovirus die Erkrankungen auslöste, betonte das Robert-Koch-Institut. "Wir äußern uns nicht zum Erreger", sagte Sprecherin Susanne Glasmacher. In Berlin haben die Behörden Noroviren und natürliche Gifte (Toxine) als mögliche Erreger im Verdacht. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene könnten Salmonellen oder Noroviren Auslöser der Erkrankungen sein. Ergebnisse der Laboruntersuchungen werden erst Anfang nächster Woche vorliegen.
Wegen der epidemischen Verbreitung in diesen fünf Bundesländern richtete das Bundesernährungsministerium einen Krisenstab ein. Unter Leitung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) wurde eine Bund-Länder-"Task-Force" ins Leben gerufen, die mit den Gesundheitsbehörden die Aufklärung vorantreiben will.

Sodexo wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Essenslieferant weist Verantwortung zurück
Fest steht bislang, dass die Betroffenen in allen fünf Ländern Essen vom gleichen Caterer zu sich nahmen. Es stammte vom Unternehmen Sodexo mit Sitz in Rüsselsheim. Allerdings sieht sich der Zulieferer nicht verantwortlich: Nach vergleichbaren Untersuchungen gebe es keine Hinweise darauf, dass die Fälle mit Sodexo-Produkten zusammenhängen, teilte der Betrieb mit.
Brandenburgs Bildungsministerin Martina Münch (SPD) wies am Freitag im rbb ebenfalls darauf hin, dass der Verursacher noch nicht klar sei. Die Lieferanten von Schulessen bemühten sich in der Regel um Qualität, sagte Münch.
Auch an den Schulen wird nach der Ursache der Erkrankung gesucht: Es werden Speisepläne eingesammelt, Lieferwege kontrolliert, und es wird abgefragt, welche Kinder sich für welches Wahlessen am Dienstag entschieden haben.
Vorsorglich wurden außerdem alle 39 Berliner Aufnahmekrankenhäuser und der Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr über das Geschehen informiert. Sie sind angewiesen, Krankheitsfälle zu melden.
Elternausschuss fordert mehr regionale Essen-Anbieter
Als Reaktion auf die Erkrankungen fordert der Berliner Landeselternausschuss eine größere Konzentration auf regionale Essen-Anbieter. Damit erhielten kleinere und mittlere Anbieter wieder Chance, sagte Vorsitzender Günther Peiritsch dem rbb.
Grundsätzlich sollte aber eine Rückkehr zu den Schulküchen vor Ort angestrebt werden. Zudem müsse in die Schulinspektionsbericht auch die Essenversorgung aufgenommen werden, betonte Peiritsch. Nur so könne mann das Bewusstsein für Qualität wachhalten.