Hits am Fließband
Als Auftrags-Songschreiber fabriziert Bernt Berns Lieder wie am Fließband, für 50 Dollar die Stunde. Wenig später gelingen ihm Welthits. Das macht er so gut, dass bald auch Aufträge aus England kommen. Für Lulu komponiert er „Here Comes The Night“, aber die Band Them reißt sich den Song unter den Nagel. Die Nordiren verstehen sich gut mit dem Amerikaner, er produziert auch ihren nächsten Hit. Den jedoch hat er nicht selbst geschrieben. Das hat Leadsänger Van Morrison einst in Deutschland besorgt.
Jobangebot aus New York
Nach einem Krach mit seiner Band schmeißt der Eigenbrödler Van Morrison das Handtuch. Arbeitslos hängt er in Belfast herum auf der Suche nach einem neuen Plattenvertrag. Zwischenzeitlich hat Bert Berns in New York seine eigene Firma gegründet. Als ihm Freunde erzählen, dass Van Morrison arbeitslos ist, holt er ihn nach New York. Bert’s Plattenfirma läuft recht gut, gerade hat er Neil Diamond unter Vertrag genommen. Van Morrison ist Bert dankbar, er vertraut ihm. Ohne das Kleingedruckte zu lesen, unterschreibt er den Vertrag. Im Studio schwant ihm jedoch, dass sie unterschiedliche Ziele haben. Bert will schnelles Geld verdienen, Van Morrison sieht sich eher als Albumkünstler. Trotzdem entsteht ein wunderbares Lied, das durch Bert’s kubanische Erfahrungen leichtfüßig im Calypso-Stil daherkommt.
Gesangsfehler im Titel
Eigentlich sollte der Song „Brown-Skinned Girl“ heißen, aber Van versingt sich bei der Aufnahme. Das braunäugige Mädchen wird der erste Hit für Van Morrison, aber anstatt sich darüber zu freuen, ist ihm die Nummer eigentlich viel zu kommerziell. Ständig liegt ihm sein Boss Bert in den Ohren, neue Hits zu liefern. Darüber kriegen sich die beiden so in die Haare, dass Van nun endlich auch mal seinen Vertrag liest. Was er bei der Lektüre erfährt, ist ein Schock.
Besser das Kleingedruckte lesen
Er selbst ist für alle Kosten der Produktion verantwortlich, auch für Marketing und PR muss er blechen. Da kommt einiges zusammen. Der Schuldenberg wird gegen die Verkäufe aufgerechnet, so dass Van keinen Cent an seinem größten Hit verdient. Der Streit mit Bert Berns eskaliert. Aufgebracht kehrt Berns in sein New Yorker Hotelzimmer zurück, bekommt einen Herzinfarkt und stirbt. Es ist der 30. Dezember 1967. Er wird nur 38 Jahre alt. Seine junge Witwe Ilene macht Van Morrison allein für den Tod ihres Mannes verantwortlich. Als sie Bang Records übernimmt, macht sie Van das Leben in Amerika zur Hölle.
Aufenthaltserlaubnis durch Heirat
Die Aufnahme-Studios sind fortan geschlossen für den Iren. Sie telefoniert sämtliche Veranstalter ab, damit sie Van nicht buchen. Ilene Berns erfährt, dass Van gar kein Visum hat. Nun darf er im ganzen Land nicht mehr auftreten. Aus dieser Misere kann sich der Ire noch befreien: er heiratet sein amerikanisches „Brown-Eyed Girl“ Janet und darf bleiben. Als Van endlich eine andere Plattenfirma findet, versucht diese, Van Morrison aus dem Vertrag zu kaufen.
36 Songs bis zur Freiheit
Aber die trauernde Ilene ist unerbittlich. Sie besteht auf Einhaltung des Vertrages, drei neue Songs im Monat will sie haben, und alle gefälligst so kommerziell wie „Brown-Eyed Girl“. 36 Lieder muss Van Morrison in einem Jahr abliefern. Trotzig geht Van Morrison ins Studio, er will seine musikalischen Schulden in einer einzigen Aufnahmesession abzahlen. Er schreibt lustige Lieder über Regenwürmer und macht sich über den toten Bert Berns lustig. Kein Lied ist wirklich ernst gemeint, alle Songs sind Nonsens. Auch an Vans künftigen Songs verdient Ilene Berns noch einmal kräftig mit, bis der Vertrag ein Jahr später endlich endet.
Autorin: Bettina Exner