Kein Widerspruch geduldet
Bandleader und Gründer David Byron ist ein sturer Hund. Demokratische Entscheidungen sind seine Sache nicht. Auch nicht, als es um einen neuen Namen für seine Band Spice geht. David ist ein großer Charles Dickens Fan, „David Copperfield“ ist sein Lieblingsbuch. Nach der Gestalt „Uriah Heep“ benennt er seine Jungs. Gute Entscheidung, denn 1970 wird der 100. Todestag des Schriftstellers überall gefeiert. Das bedeutet auch für Uriah Heep jede Menge Medienpräsenz. Auch beim Songschreiben gelten Byrons Gesetze.
Verliebt in Bayern
Aber er muss erkennen, dass er in seinem Keyboarder Ken Hensley einen begabten Kompagnon hat. Auf Tour in München verliebt sich Ken in ein schwarz gekleidetes Mädchen. „Lady in Black“ kritzelt er traurig in sein Notizbuch, als die Band weiterziehen muss. Die beiden schreiben sich lange Liebesbriefe. Ken hat große Sehnsucht nach seiner Freundin. In Cheltenham in England trifft Ken zum zweiten Mal auf eine „Lady in Black“. Diesmal verliebt er sich nicht, denn diese Lady ist schon über 150 Jahre alt.
Eine alte Geschichte
Die Legende besagt, dass 1882 in Cheltenham eine untote „Lady In Black“ durch die Ortschaft geisterte. In Amerika stößt er erneut auf eine schwarze Dame. Diese hatte ihren Ehemann betrogen, wurde gehängt, geistert nun angeblich am Highway 281 bei Alice/Texas herum. Viele LKW-Fahrer wollen sie schon gesehen haben. „Nun wird es aber Zeit, daraus endlich einen Song zu machen“, wirft Ken in die Runde, David Byron erwidert zynisch: „Nur das nicht, ich singe den Scheiß nicht.“ Der Refrain ist jedoch schon lange fertig, was kein Kunststück ist, denn der Text ist simpel.
Der richtige Riecher
Bald hat Ken den Song fertig, aber Leadsänger David weigert sich tatsächlich, das Lied im Studio zu singen. Zähneknirschend lässt er es zu, dass Ken sein Lied selbst singt. Noch mürrischer wird der Boss, als sich die „Lady In Black“ zum unsterblichen Rockklassiker entwickelt und bis heute der größte Hit der Band ist.
Autorin: Bettina Exner