Chance beim Virgin-Gründer
Wir schreiben das Jahr 1973. Gerade hat der 22-jährige Richard Branson großspurig eine Plattenfirma gegründet, aber Künstler hat er noch keine. Seit seinem 17. Lebensjahr bastelt Mike Oldfield an seiner Platte, spielt alle Instrumente selbst. 1972, er ist 20, ist das Werk endlich fertig. Stolz verschickt er Demotapes an sämtliche Plattenfirmen in England, aber alle lehnen „Tubular Bells“ als nicht verkäuflich ab.
Richard Branson gefallen die sperrigen Töne, er gibt Mike den ersehnten Plattenvertrag bei Virgin-Music. Als „Tubular Bells“ als erste Platte von Virgin überhaupt 1973 in die Läden kommt, warten die Freunde gespannt auf die Reaktionen. Um sich abzulenken, spielen die beiden regelmäßig Squash miteinander. Der Verkauf läuft nur langsam an, als der Produzent des Horror-Streifens „Der Exorzist“ um den bedrohlich klingenden Anfang von „Tubular Bells“ für seinen Film bittet.
Glockenklänge an einem satanischen Datum
Langsam bewegen sich die Verkäufe in Richtung Charts und nach einem Jahr ist die Platte endlich die Nummer 1 in England. Weltweit werden fast 17 Millionen Alben verkauft! Zwischenzeitlich ist Mike allerdings nicht mehr zufrieden mit dem Klang des Albums, er will es überarbeiten. Der umtriebige Richard ist jedoch viel zu beschäftigt.
Mit dem Kapital, das ihm „Tubular Bells“ einbringt, gründet er sein Virgin-Imperium. Fürs Squashspielen mit Mike bleibt da keine Zeit mehr. Der studiert erstmal in Ruhe seinen Vertrag, entsetzt stellt er fest, dass er kaum künstlerische Freiheit hat. Er darf den Millionenseller gar nicht verändern. Endlich, 2008, ist der Knebelvertrag Geschichte, zum ersten Mal in seiner Karriere ist Mike Oldfield frei.
Sofort macht er sich an die Arbeit und nimmt seinen Erstling neu auf. Richard lässt es sich auf Platz 261 der Milliardäre gut gehen und Mike Oldfield feiert seine Freiheit und die Veröffentlichung von „Tubular Belles 2009“ mit weltweitem Glockengeläut. Am 6.6., exakt um 6 Uhr, läutet auch die Berliner Siegessäule zu Ehren „Tubular Bells“!
Autorin: Bettina Exner