Die Entstehung des Songs
Als Angela „Dandelion“ Richards am 17. April 1972 zur Welt kommt, sind ihre Eltern schwer heroinabhängig, die Rolling Stones auf dem Höhepunkt ihres Erfolges. Anita Pallenberg erwägt eine Abtreibung, zumal sie sich gar nicht sicher ist, ob Keith wirklich der Vater ist. Denn sie steht eigentlich auf Mick Jagger, mit dem sie einige Male im Heroinrausch in der Kiste landete. Aber die Deutsche lässt alle Arzttermine platzen, während sich Keith und Mick um die bevorstehende Vaterschaft streiten.
Als Eltern einfach überfordert
Aber eigentlich sind alle Beteiligten nicht in der Lage, ein Baby zu betreuen. Kurz nach der Geburt kommt die Kleine zu Keith Mutter Doris, die sich liebevoll um Angela „Löwenzahn“ kümmert. In klaren Momenten ist Keith ein liebevoller Vater, aber die sind in diesen Zeiten eher die Ausnahme. Seine Liebe zu der Kleinen und das permanent schlechte Gewissen beschäftigen das Raubein, er beginnt ein Lied für Angie zu komponieren. Mick Jagger vervollständigt es später, in dem er seine schmerzlichen Erfahrungen mit seiner Ex-Freundin Marianne Faithful einfließen lässt. Obwohl die zarte „Angie“ am harten Image der Rolling Stones kratzt, wird der Song ein Megahit.
"Angie" im Wahlkampf
Als das Stück im Oktober 1973 erscheint, hat eine andere Angie gerade ihr Abi in der Tasche und geht nach Leipzig, um Physik zu studieren. 32 Jahre später ist Angela Merkel auf Wahlkampftour. Die gebürtige Hamburgerin will die erste weibliche Bundeskanzlerin werden. Die klassischen CDU-Wähler stehen hinter ihrer Kandidatin, nun muss die Jugend überzeugt werden. Das Wahlkampfteam arrangiert eine knallige Roadshow um Angela „Angie“ Merkel, verteilt orange T-Shirts mit Angie-Aufdruck. Den Soundtrack liefert der Rolling Stones Hit „Angie“.
Angie, oh Angie, where will it lead us from here?
Aber die Werbestrategen scheinen kein Englisch zu verstehen, die Botschaft des Songs ist irritierend und kontraproduktiv: Angie, oh Angie, wohin wird uns das noch hinführen? Während Angela Merkel ihre Botschaften verkündet, führen die Stones im Hintergrund ihre Worte ad absurdum, in dem sie ihre Wahlversprechungen „in Luft aufgelöst“ sehen.
Die Rolling Stones gaben keine Erlaubnis
Irgendwann bekommen auch die Rolling Stones mit, was in Deutschland mit ihrem Song passiert. Niemand hatte sie um Erlaubnis gefragt, dass ihr Song als Wahlkampfhymne missbraucht wird. Ihre Anwälte teilen mit, sie hätten ihre Zustimmung niemals gegeben.
“Angie, oh Angie, when will all those clouds disappear" - „Angie, oh Angie, wann werden diese Wolken verschwinden“, fragt sich das „TeAM Zukunft“. Der deutsche Musikverlag erwägt jedoch keine rechtlichen Schritte, denn möglicherweise legen sie sich dann ja mit der künftigen Bundeskanzlerin an. Allerdings lassen sie kleinlaut verlauten, die CDU möge den Titel nicht mehr spielen, woran diese sich jedoch nicht halten. Für wen „Angie“ auch immer geschrieben wurde, Angela Merkel kann es egal sein, als sie Bundeskanzlerin vereidigt wird.
Bettina Exner