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Do, 24.05.2012 | 01:28 Uhr

Popgeschichten

Plattencover Stranglers - Golden Brown

Stranglers - Golden Brown

Wie die Stranglers aus dem Knast einen Hit mitbringen.

Geschäftliches
In Deutschland gab es mal fast 300 Musiklabels, darunter waren mehr als 20 so genannte Major-Labels, also größere Plattenfirmen mit eigenem Vertriebsnetz.

In den Achtzigern schrumpfte der Markt auf sechs Marktführer zusammen, heute sind es nur noch fünf, wenn man die Ariola mit zählt. Das älteste Label ist Columbia von Sony Music, das bereits 1889 gegründet wurde und bis heute existiert.

EMI nahm 1931 die Geschäfte auf. und beinahe ruinierte dieser britische Konzern Anfang der Achtziger die Karriere der Stranglers.

Revoluzzer ganz unten
Anfang der Achtziger ist die Karriere der Stranglers an einem Tiefpunkt. Als Punkband gestartet, glauben die langsam erwachsen gewordenen Musiker nun selbst nicht mehr an eine Revolution mittels lauter Musik, Sicherheitsnadeln in der Wange und grünen Haaren auf dem Kopf.

Trotzdem sorgt ihr rüpelhaftes Auftreten weiter für Schlagzeilen. 1980 landen sie sogar im Gefängnis, als sie ihrer Abneigung gegen Fotografen prügelnd Ausdruck verleihen. Sänger Hugh Cornwell bleibt wegen Heroinbesitz gleich für länger im Bau.

Dort lernt er, dass Heroin in Drogenkreisen „Golden Brown“ genannt wird. Ihm kommt die Idee, ein verklausuliertes Lied darüber zu schreiben.

Machtwort vom Chef
Als Hugh nach drei Monaten entlassen wird, ist nichts mehr wie vorher. Die Plattenfirma der Jungs wurde vom Branchenriesen EMI geschluckt.

Etwas nervös stellen sich die Musiker beim neuen Boss vor. Selbstgefällig sitzt der in seinem Chefsessel, als er ihnen erklärt: „Punk ist tot, und ihr seid ein Auslaufmodell“.

Zufällig haben die Stranglers neue Songs mitgebracht, „Golden Brown“ hat musikalisch gar nichts mehr mit Punk zu tun. Aber das ist der Firma auch wieder nicht recht. Man würde sie auf dem Song ja nicht mal erkennen.

Die paar Restfans wären sie damit auch schnell los. Und tanzen könne man auch nicht danach.

Erfolg durch Zufall
Um den Vertrag zu erfüllen, veröffentlichen sie das Album stillschweigend kurz vor Weihnachten. Keinen Cent stecken sie in die Promotion.

Erwartungsgemäß passiert überhaupt nichts mit den neuen Songs, denn im Dezember suchen die Menschen freundliche Weihnachtsgeschenke, und keine Songs über Heroin. Zwischen den Feiertagen haben sämtliche Plattenfirmen dicht.

Der konservative Sender BBC Radio 2 sucht händeringend nach einem Song für ihre Rubrik „Single der Woche“. Einem DJ fällt „Golden Brown“ in die Hände. Die einschmeichelnde Popmelodie im Walzertakt mit Cembalo erfüllt eigentlich alle Kriterien, um bei einem Pop-Sender zu laufen.

Dass „Golden Brown“ eigentlich Heroin verklärt, das wissen die Redakteure glücklicherweise nicht. Zur größten Überraschung der Plattenfirma wird „Golden Brown“ über Nacht zum Hit und bei den Stranglers stehen nun alle großen Plattenfirmen Schlange!

Stand vom 19.10.2011

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