Stricken im Krankenhaus gelernt
Ringo Starr kann stricken. Das hat er als Kind gelernt, während er mehr Zeit im Krankenhaus als in der Schule verbrachte und sich entsetzlich langweilte. Allerdings schwebte der Kleine mehr als einmal in Lebensgefahr. Seine Mutter und Adoptivvater Harry Graves sind unendlich froh, als Ringo endlich wieder zu Hause ist. Sie erfüllen ihm jeden Wunsch, der sehnlichste ist ein eigenes Schlagzeug.
Ich werde eine Star!
Mit der Ruhe ist es nun vorbei, aber Harry unterstützt Ringos musikalischen Ambitionen. „Skiffle“ ist der neue Musiktrend der späten Fünfziger, Ringo nennt sich nun Starr und träumt davon, seine Schlagzeugsoli künftig mit „Starr Time“ anzukündigen. Der Traum wird wahr, Ringo trommelt sich mit verschiedenen Bands schnell in die Herzen der Liverpooler. Während dieser Zeit scharrt John Lennon Paul & George um sich, gründet eine eigene Band. Bekannter und beliebter sind jedoch Rory Storm & the Hurricanes, mit Ringo am Drumset.
Aller Anfang ist schwer
Sie spielen Rockklassiker von Chuck Berry bis Jerry Lee Lewis, im Sommer 1960 bekommen sie ein Engagement bei Gene Vincent, für 25 Pfund in der Woche für jeden. Das ist viel Kohle für die Jungs, deshalb lehnen sie ein dubioses Angebot aus Hamburg ab, wo sie in einem Striplokal auftreten sollen. Der Hamburger Veranstalter ist genervt, sein Geschäftspartner Allan Williams in Liverpool schickt umgehend Ersatz.
Wilde Zeiten in Hamburg
Und so mischen die Beatles den Hamburger Rotlichtbezirk St. Paul auf. Natürlich erfährt das auch Ringo, was da plötzlich im Hamburger Starclub abgeht. Ungeduldig beenden Rory und seine Hurricanes ihr Engagement, reisen schleunigst ab in Richtung Hamburg. Allan Williams ist neugierig, was seine Schützlinge in Deutschland so treiben, er reist hinterher. Mit den Beatles plant der Talentscout eine Schallplattenaufnahme, er mietet ein kleines Studio in der Kirchenallee 57. Beatles Drummer Pete Best ist gerade in der Stadt, um neue Drumsticks zu kaufen, als Allan seine Jungs abholt. Da sie nicht viel Studiozeit haben, nimmt er statt Pete Ringo Starr mit ins Studio.
Von Paul, George und John gefeuert
Das erste Zusammenspiel zwischen John, Paul, George und Ringo funktioniert prächtig, auch wenn sie danach erst wieder getrennte Wege gehen. Vorerst, denn schnell fällt den Pilzköpfen auf, dass Ringo eigentlich der bessere Schlagzeuger ist, außerdem mögen sie seinen Humor. Zwei Jahre später schmeißen sie Pete Best raus und engagieren Ringo Starr. Die Fans sind wütend über diesen Wechsel. Bei einem Konzert entbricht sogar eine Schlägerei im Club, Ringo wird wüst beschimpft und George holt sich bei den Rangeleien ein blaues Auge.
Der stille Beatle
Trotz der „Beatlemania“ steht Ringo immer ein wenig im Schatten der anderen. Meistens arrangiert er sich damit, manchmal nicht. Selbstzweifel plagen ihn, ob er denn wirklich ein guter Drummer ist. Seit 1969 hat er es zumindest von Paul McCartney schriftlich, als dieser ihm eine Postkarte in den Urlaub hinterherschickt. „Du bist der beste Drummer der Welt, komm zurück“ steht da geschrieben, nachdem Ringo die Band im Streit verlasen hat.
Auch John äußert sich zu Lebzeiten immer positiv über Ringos Anteil am Erfolg der Beatles. Fast immer, irgendwann antwortet er auf die Frage, ob Ringo der beste Schlagzeuger der Welt sei: „ Ringo ist nicht mal der beste Schlagzeuger der Beatles…“ Was natürlich einer von Lennons berüchtigten Scherzen war. Die Bibel unter den Musikzeitschriften, der Rolling Stone platziert Ringo Starr 2011 immerhin auf Platz 5 der besten Drummer aller Zeiten.