Lust auf den Job hinter der Kamera
Nach den Jahren mit den Beatles hat Ringo Starr künstlerischen Nachholbedarf. Endlich darf der Spaßvogel hinter seinem Schlagzeug hervorklettern und selber im Rampenlicht stehen. Auch als Schauspieler probiert sich Ringo gerne aus.
Schon bei den Dreharbeiten zu „A Hard Day’s Night“ hat Ringo Blut geleckt, auch mal hinter der Kamera zu arbeiten. Schnell findet er ein Betätigungsfeld in der eigenen Firma, Ringo kümmert sich um „Apple Films“. 1972 verbringt er viel Zeit mit Marc Bolan, die beiden werden dicke Freunde.
Neues Lieblingswort
Eines Abends sitzen sie entspannt in einem Restaurant, als Ringo auffällt, dass Marc anscheinend ein neues Lieblingswort hat, ständig baut er das Wort „Boogaloo“ in ihr Gespräch ein. Sinn macht das nicht wirklich. „Boogaloo“ - eine Ableitung aus dem „Boogie-Woogie - ist ein Musikstil aus Harlem in New York, der sich später in Latin Rock weiter entwickelt. Komisch, denkt Ringo, „Boogaloo“ war immer sein Spitzname für Paul McCartney. Das kann Marc jedoch nicht wissen.
Neuer Text, Neuer Song
Es wird ein langer Abend, denn Ringo plant für Apple Films einen Konzertfilm mit Marc Bolan und T-Rex. Elton John hat schon zugesagt, auch der als „Catweazle“ berühmte Schauspieler Geoffrey Bayldon will ein paar Sketche liefern. Marc Bolan ist begeistert. Auf dem Nachhauseweg geht Ringo der “Boogaloo“ nicht mehr aus dem Kopf. Ringo ist eigentlich hundemüde, aber plötzlich hat er nicht nur den Text zu einem neuen Song im Kopf, sondern auch eine Melodie.
Recorder gesucht
Um diesen Schatz nicht wieder zu verlieren - denn selten hat er ein Lied ganz alleine komponiert - sucht Ringo sein Tonband. Er schaltet es an, aber die Batterien sind leer. Er rennt ins Kinderzimmer seines Sohnes. Zak hat allerlei batteriebetriebenes Spielzeug, hektisch pult er die Batterien heraus und legt sie in den Taperecorder. Nach wenigen Minuten hat er den Song aufgenommen.
Ein total abgedrehter Film
Am 17. März kommt „Back Off Boogaloo“ - produziert von George Harrison - in die Läden. Beruhigt wendet sich Ringo wieder seinem Filmprojekt zu, das er „Born To Boogie“ nennt. Einen Tag später, am 18. März 1972 geben T-Rex ein ausverkauftes Konzert im Londoner „Empire Pool“, Ringo lässt es aufzeichnen.
Zusätzliche Szenen einer dekadenten Teegesellschaft werden bei John Lennon zuhause in Tittenhurst Park bei Ascot gedreht. Hier ist bereits das Video zu „Imagine“ entstanden. Mittendrin „Catweazle“, der erstaunt feststellt, wie planlos Ringo die Dreharbeiten gestaltet. Trotzdem gelingt der Film, wie Ringo Starr bei der Premiere am 14. Dezember 1972 beruhigt feststellt!
Autorin: Bettina Exner