Drehbuchidee an einer staubigen Landstraße
1962 studiert James Douglas Morrison an der Florida State Universiy in Tallahassee. Der Jungpoet will entweder Schriftsteller oder Filmemacher werden, so genau weiß er das noch nicht. Später belegt Jim Kurse an der Uni in Kalifornien bei dem berühmten Josef von Sternberg. Seine Freundin Mary Werbelow lebt in Clearwater, 280 Meilen entfernt.
Und da Jim Morrison notorisch pleite ist, fährt er regelmäßig per Anhalter zu ihr. Auf seinen einsamen Reisen hat er immer ein Notizbuch dabei, in das er seine Gedanken kritzelt. Oft steht er stundenlang in der staubigen Hitze an einer Straße in Florida, bevor ein Auto hält.
Den Daumen der einen Hand im Wind, in der anderen Hand ein Buch von Nietzsche. „Rider On The Storm“ schreibt er in sein Notizbuch, so sieht er sich in jenen Tagen. Eines Nachts auf der Rückreise ist die Straße menschenleer. Es stürmt und blitzt, kein Auto ist bei diesem Sauwetter unterwegs. Wütend schreibt er ein Drehbuch über einen einsamen Anhalter, der zum Massenmörder wird. Er nennt sein Drehbuch „The Hitchhiker“, der Anhalter.
Vom Erfolg verfolgt
Verfilmt wird „The Hitchhiker“ nicht. Zumindest vorerst nicht. Auch aus einer Karriere im Filmgeschäft wird nichts, dafür ist Jim Morrison neun Jahre später charismatischer Kopf der erfolgreichen Rockband „The Doors“. Aber nach kräftezehrenden Jahren auf Tour ist Jim zunehmend unzufrieden mit seinem Leben, kommt mit dem Ruhm nicht zurecht.
Viel lieber möchte er ein beschauliches Leben als Schriftsteller führen. Zerrissen vom Erfolgsdruck nimmt er alle möglichen Drogen, provoziert alle und jeden mit seinem aggressiven Verhalten. Auch vor seinen Fans macht Jim nicht halt. Am 1. März 1969 lässt er bei einem Konzert in Miami die Hosen runter, provoziert seine Bandkollegen und das Publikum bis aufs Blut. Es folgt eine Anklage.
Entnervt gehen die Doors zum letzten Mal zusammen ins Studio, ein Album muss abgeliefert werden. Lustlos jammen sie herum, bis Jim mit einer Songidee kommt. Er erinnert sich an sein altes Drehbuch über den mordenden Anhalter, an den „Killer on the Road“. Im Radio dudelt ein Song von Stan Jones, die Jungs horchen auf:
Tod in Paris
Jim erzählt davon, wie er sich selbst in seinen Studientagen als „Rider On The Storm“ bezeichnet hat, „Ghost Riders In The Sky“ noch im Kopf, macht Bandkumpel Ray Manzarek daraus einen ganzen Song. Es ist die letzte Aufnahme von Jim Morrison.
1971 stirbt die mittlerweile fett gewordene Legende mit nur 27 Jahren in Paris. Da ist der spätere Drehbuchautor Eric Red ganze 10 Jahre alt! Als der den Titel im Radio hört, gruselt er sich vor der düsteren Atmosphäre des Liedes, nie wieder vergisst er den Song.
Der Eindruck ist so nachhaltig, reicht bis ins Jahr 1986. „Riders On The Storm“ inspiriert Eric Red zu der Anfangsszene seines Horrorfilms „The Hitcher“ mit Rutger Hauer als „Killer On The Road“!
Autorin: Bettina Exner